Trailrunning Zahmer Kaiser - Kaisertal

Winni Mühlbauer - Trailrunning - Zahmer Kaiser Vorderkaiserfeldenhütte - Antonius Kapelle - 31.1.19


31.01.19
Weiße Hochzeit
Winni

"It's a nice day to start again." (Billy Idol, White Wedding)

An der Vorderkaiserfeldenhütte (VKF-Hütte) komme ich mit einer Wanderin ins Gespräch. Sie verrät mir, dass im Kaisertal die Wege immer geräumt werden, egal wie viel Schnee liegt. Und so war es denn auch. Unbeschwertes Laufen auf Schnee unter blauen Himmel bei Föhn eröffnete also meine Laufsaison 2019 in allerschönster Umgebung; immer wieder der Blick auf die gezuckerten zackigen, hoch aufragenden Felswänden des Wilden Kaisers gegenüber. So schön war es heute: Webcam vom Pendlinghaus

Kurz ausgebremst wurde ich am Kaiseraufstieg mit dem Hinweis: Kaisertal über Tunnel erreichbar. Zu Hause lese ich im Web: Aufgrund der Schneemassen ist die Benützung des Kaiseraufstieges vorerst nicht möglich (Kein Datum). Letztes Jahr, auch das finde ich im Netz, war der Aufstieg wegen Steinschlag gesperrt. Nun gut. Ich mache mir selbst ein Bild. Keine Schneemassen, kein Glatteis, kein Steinschlag. Und superlustig zum Hochlaufen in der Sonne. Die Dame vor der VKF-Hütte war mir dankbar, davon zu hören, denn sie und andere waren durch den 800m langen Tunnel gelaufen, mit großem Umweg vom Parkplatz weg. Während ich die vom Schnee begrabenen 285 Stufen hochlaufe, freue ich mich jetzt schon aufs Hinterlaufen. Meine Trailschuhe mit Spikes werden es schon packen.

Geplantes Ziel meiner heutigen Runde - die am Ende mit 19,5km und 900hm zu Buche schlug - war das Petersköpfl, auf dem ich schon im Herbst bei meiner Zahmen-Kaiser-Überschreitung stand. Erstmal aber ging es nach dem Kaiseraufstieg zum Veitenhof, wo sich wenig später der Weg gabelt. Geradeaus geht es unten im Kaisertal weiter mit der Option, in 2,5 Stunden rauf zur Ritzaueralm zu wandern. Links geht es in 50 Minuten durch den Wald hoch zu dieser Alm auf 1161m Höhe. Mein Weg. Steil, viel Schwitz, schön. Und auch hier: nicht nur gespurt, sondern meist schmal geräumt. Wintertrail. Üppig der Schnee um mich herum. Bald laufe ich aus dem Wald hinaus, blicke hoch zur Naunspitze und zum Petersköpfl. Satt blau fließt der ungetrübte Himmel darüber hinweg. Zwei Meter hohe Schneewände geleiten mich zur Ritzaueralm. Die Josefskapelle hier steht hüfthoch im Weiß des Winterregens. Magische Momente. Irreal nach dem garstigen Grau der vergangenen Wochen.

Eine schmale Spur führt von hier aus hoch zur VKF-Hütte. Wieder habe ich festen Schnee unter meinen Füßen, wenngleich ich beim Hochgehen doch hin und wieder wegrutsche. Im Vergleich zu anderen Läufen im Winter jedoch pures Vergnügen, da ich mich nicht im tiefen Schnee hochwühlen muss. Weiter oben komme ich dann in der Spur eines schmalen Kettenfahrzeugs wieder zum Laufen. Sicher der Versorgungsschlitten für die VKF-Hütte, die bis März am Mi. und Do. geschlossen hat. Also auch heute. Eine Suppe wäre ganz nett gewesen. Stattdessen nuckle ich lauwarmes Wasser, dass ich mir am Morgen warm in die Trinkblase gefüllt hatte. Unterwegs auf diesem piekfeinen Wintertrail mit tollen Ausblicken auf das Inntal mit seinen Bergen, erreiche ich nach einer halben Stunde die VKF-Hütte (1388m).

Hinter der Hütte beginnt der Aufstieg zum Petersköpfl. Ich entdecke zwei Skispuren, trete hinauf und versinke fast bis zu den Knien im Pulver. Mein Plan geht heute leider nicht auf. Schade! Auch wenn der Aufstieg zum Petersköpfl als Winterwanderung genannt wird, bei diesen Massen an Schnee geht es dann doch nicht. Ich tausche mich noch eine Weile mit der freundlichen Wanderin über mögliche Winterwanderungen in den Bergen aus und mache dann das, was ich im Winter in den Bergen am liebsten mache: Runtersausen über Schneeteppiche. Fest eingeplant war heute auch die Antonius Kapelle und der Pfandlhof. Im Herbst schon wusste ich, dass ich auch im Winter hierher kommen werde. Im Sommer mag der lange Forstweg zur Kapelle ein wenig langweilig sein. Er zieht sich. Im Wintermärchen aber ist er zauberhaft. Jedenfalls für meine Sinne. Immer wieder fällt der Blick auf die gezuckerten Wände des Wilden Kaisers. Auch auf die Gipfel des Zahmen Kaiser direkt über mir. Der Forstweg ist frei von Eis, und käme ich ins Schleudern, würde ich wie ein Bob aufgefangen von den hohen Leitplanken aus Schnee auf dem dem Hintern hinunterrutschen.

Wieder geht es aus dem Wald hinaus und vor mir taucht die Antoniuskapelle auf. Ein Foto mit dem Wilden Kaiser dahinter verkneife ich mir heute. Ich müsste dem Tiefschnee hinter der Kapelle die Jungfräulichkeit rauben. Weiter geht's zum Pfandlhof mit der lustigen Gasse. Wenig später erreiche ich wieder den Abzweiger, wo der steile Weg hoch zur Ritzaueralm beginnt. Stehen bleibe ich nicht, wenngleich die Oberschenkel kurz vorm Glühen sind. Weicheier! Nur weil ich seit zwei Monaten nicht mehr in den Bergen gelaufen bin und leider nur zwei Mal meine spezifische Muskulatur auf dem Laufband trainert habe. Bergauf. Laufbänder bergab gibt es in meinem Studio leider nicht. So recht kann ich mir auch nicht vorstellen, mich auf diesem Ding laufen zu sehen. Und so sehr mich der Bürgermeister von Ebbs den gesperrten Stufenweg hinunter nicht hätte laufen sehen wollen, so sehr habe ich das Runterballern genossen.

Hier die Etappen meiner 19,5km langen Runde (inkl. kleiner Verhatscher): Kaiseraufstieg - Veitshof - Ritzauerlam - Vorderkaiserfeldenhütte - Antonius Kapelle - Pfandlhof - Kaiseraufstieg.

Bis bald:
In the meantime: WOLFHEART - Everlasting Fall (Veröffentlicht am 31.1.19. Wolfheart nennt als Genre: Winter Metal)

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Blick zurück auf dem Weg zur Antonius Kapelle.


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