Trailrunning: Hirschhörnlkopf + Jochberg - 10.7.15

Trailrunning - Jachenau - 10.7.15 Halbmarathon über Hirschhörnlkopf - Jochberg - Sachenbachtrail


10.7.16
Unterwegs im Tal der Sonne - unser TBB
(Land of Sun and Beer)
Winni + Christian

Wenn es einem Postboten in München nicht mehr gefallen sollte, darf er gerne in die Jachenau gehen. Diese Gemeinde ist eine typische Streusiedlung mit 27 Ortsteilen und 1808 zugeilten Hausnummern auf die ursprünglichen 60 Anwesen. Später gebaute Häuser erhielten eine Bruchteilsnummer die anzeigt, ob es das zweite, dritte ... Anwesen auf dem Grund der ursprünglichen Hausnummer ist. 7 1/4 beispielsweise ist das vierte Haus auf dem Grund der alten Hausnummer 7. Das ist aber noch nicht alles. Doppelhäuser und Einfamilienhäuser werden noch nach Buchstaben a, b und c unterschieden. Ich denke mal, der von München frustrierte Postbote käme ganz schön ins Schwitzen.

Was auch noch im Sonnental Jachenau auffällt sind die Berge. Die sind nicht spektakulär, hören meist oberhalb der Baumgrenze auf und haben keine markanten Felsgipfel. Dafür sind sie satt in dunkelgrüne Farbe getunkt und lassen erahnen, welch wunderbare Trails sich in den bewaldeten Hängen verbergen. Selbst der Jochberg zeigt sich vom Hirschhörnlkopf aus gesehen zahm in Sommerwiesengrün. Über beide Gipfel hinweg soll es erst mal gehen. Als Belohnung für die beiden Anstiege mit insgesamt knapp 1300hm geht es dann unterhalb des Jochbergs zurück auf einem Traumtrail, dem >>>Sachenbach-Trail bis Jachenau Dorf. Ein (noch?) Geheimtipp unter Mountenbikern.

Wieder sind wir zu zweit. Christian und ich biegen in Jachenau Dorf auf den Parkplatz vom Schützenhaus und parken nur wenige Meter vor der Kleinen Laine, ein Bach. Für uns mehr als ein Bach! Bevor wir uns aber hineinlegen, müssen wir ein Stückchen laufen. Über diesen Bach führt eine Brücke. Auch wenn das Schild "Hirschhörnl" in eine andere Richtung zeigt, auf einen Forstweg, wir laufen über die Brücke und landen gleich auf einem feinen Trail hinein in den Wald. Die Nacht war kühl, zwei Tage zuvor hatte es geschüttet.

Heute scheint die Sonne, die Luft riecht gut. Im kühlen Schatten laufen wir uns gemütlich ein. Erreichen einen Forstweg, der bald in den Wald hineingeht. Am Ende des Forstwegs beginnt ein steiler Pfad, der sich durch den Wald nach oben schlängelt. Wir bleiben stehen und genießen den Ausblick auf den gegenüberliegenden Staffel und die Jachenau. Nocheinmal wird es steiler. Die Serpentinen, die uns den Löwenanteil der 750hm hinaufbringen, sind anstrengender, als es von unten den Anschein hatte. Dann der erlösende Blick auf die Baumgrenze. Wir erreichen den breiten, grünleuchtenden Bergrücken, darüber blauer Himmel. Vorbei geht es an der nicht bewirtschafteten Pfundalm, den kreuzgeschmückten Gipfel des Hirschhörnlkopfs fest im Blick. Mag der Spötter diesen Berg auch weiterhin einen Grashügel nennen - die Aussicht ist grandios. Nicht nur auf das Karwendel, den Walchensee und dem sich dahinter aufbauenden Herzogstand. Im Rücken zum Greifen nah die Benediktenwand, dort der Rabenkopf und vor uns der Jochberg. Viele Berge, die ich kenne, sehen hier völlig anders aus. Christian schwärmt vom Überblick auf die beliebten Trails hier für Mountainbiker.

Heute aber ist er, sind wir, zu Fuß unterwegs. Schon zeigt Christian zur Kotalm, zu der wir hinunter müssen. Dort beginnt dann der zweite Anstieg hoch zur Jocheralm. Auch die ist von hier gut zu sehen. Ein paar Fotos geschossen, am Trinkschlauch genuckelt, und weiter geht's. Geschwind den Grasbuckel runter und bald wieder hinein in den Wald und weiter hinunter - Trailrunning ist einfach spassig! Sagt sich einfach, wenn genügend ATP produziert werden. Noch ist meine Manufaktur gut ausgelastet. Fleißig fressen die Bakterien in den Muskelzellen, auch Mitochondrien genannt, Fettsäuren und Glukose, die ich mir einverleibt habe, und danken mir mit Lebenssaft, mit Energie.

Irgendwo auf dem weiteren Weg hinunter hören wir's plätschern. Wir machen die erste Rast. Christian füllt ein kleines Fläschchen aus Kunststoff etwa zu einem Fünftel mit Hafermehl, geht zum Bach, füllt es mit Wasser, schüttelt es und reicht es mir herüber. Er macht sich Sorgen um meinen Kopf. Das aber erfuhr ich erst auf der Heimfahrt. Ich drinke nur die Hälfte. Es schmeckt grauslig. Erinnert mich an meine Kilimandscharo-Tour, wo es die fünf Tage fast nur Porridge gab, mit Wasser zubereitet. Gegen Ende unserer heutigen Tour allerdings war mir klar, dass ich das Fläschchen besser hätte ausdrinken sollen. Frisch gehaftert geht es erstmal weiter. Wie im Flug vergeht die Zeit, und schon stehen wir an der Kuhtränke vor der Kotalm und blicken zurück auf den bewaldeten Rücken des Hirschhörnlkopf.

Die Idee für diesen Berg-und-Tal-Lauf hatte wieder Christian, der mir einen Tag vorher schrieb: "Wir haben morgen nach 8km einen Gegenanstieg von 3km / 400hm. Nur zur Info." Einfach Rechnung für mich. 3<4. Das wird hart. 4>3 wäre leichter. Gemeint war der Anstieg zur Jocheralm. Dass wir dann gleich noch weiter auf den Jochberggipfel gelaufen sind, ist eine andere Geschichte.

Letztendlich war es aber der zweite Gipfel, der gelockt hatte, und nicht mein Versprechen Christian gegenüber, dass sicherlich wieder viele fesche Madln und jausenauspackende Wanderinnen auf der Picknickwiese unterhalb des Gipfels in der Sonne sitzen würden. Ja, eindeutig, Damenüberschuss. Wir kletterten ein Stück das Kreuz hoch und hielten Ausschau auf das, worauf wir uns wohl am meisten freuten. Auf den langen Rückweg, den Sachenbachtrail bis in die Jachenau. Ein flowiger Singeltrail durch den schattigen Wald, wenn auch nicht steil, dafür aber durchaus technisch anspruchsvoll. Jedenfalls mit Spaßfaktor 10. Doch immer wieder dumme Stolperer, und zweimal zerlegte es mich. Einmal mehr erwischte es eine Stelle rechts am linken Knie. Insgesamt das dritte Mal in zwei Jahren. Ich denke mir, dass das Knie sicherlich weiß, was es bei der Knochenreparatur zu tun hat: eine besonders starke Dichte zu schaffen, dazu ein Luftpolster. Christian hat von dem nichts mitbekommen, er läuft meist ein Stückchen vor mir. Aufgefallen aber ist ihm wir mir, dass ich ziemlich häufig kleinere Stolperer hatte, wenn er auf mich gewartet und ich dann vor ihm Tempo rausgenommen hatte. Konzentrationsschwäche! Auch wenn ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass meine Umstellung in Richtung Fettverbrennung zur Gewinnung von ATP funktioniert, die Zellen im Hirn brauchen etwas anderes: Glucose. Und die ist schnell raus aus den Glykogen-Speichern auf so langen und intensiven Strecken. Bleibt die Frage: Ein Stückchen Traubenzucker einstecken oder Hafermehltrunk; Insulin oder kein Insulin.

Nach ca. zehn Kilometern spuckt uns der Sachenbachtrail in der Ortschaft Jachenau Dorf aus. Wir steuern auf den Jachenauer Dorfladen GbR (so wirb dieser Miniladen auf google-maps) zu und gehen hinein. Ja freilich ... haben wir ..., meinte die Verkäuferin in dem mikrokleinen Laden, der neben Souvenirs auch Obst, Gemüse und Gemischtwaren anbietet. Auf unserer letzten Tour hatten wir in Bad Tölz ein ganzes Gewerbegebiet mit Super- und Getränkenmärkten abgegrast, nur um ein gekühltes alkoholfreies Bier zu ergattern. Nix! Und hier in dieser Wundertüte mit Dach gab es beides: ein Helles und ein Weizen ohne Alkohol, eisgekühlt. Nicht ganz so kalt war der Bach, in den wir uns vor dem Biergenuß gelegt und runtergekühlt hatten ... um einmal mehr festzustellen, wie wenig man braucht, um glücklich und zufrieden zu sein: Trail, Bach und Bier. So nannten wir diese Tour auch unseren TBB.

Wie war gleich nochmal Ihre Frage? Aha! Nein, wir hatten keine Badehosen dabei. :-)

Halbmarathon über zwei Gipfel

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Land of Sun and Beer

Blick auf das Sonnental - die Jachenau


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