Trailrunning Wallberg

Winni Mühlbauer - Trailrunning - 12.8.15 Zwischen Wallberg und Risserkogel


12.8.16
Wasser Notstand
Winni

Ootacamund, kurz Ooty genannt, ist ein Bergort in den Nilgiribergen im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Er liegt auf einer Höhe von 2.250 Metern. Dorthin zogen sich die Engländer zurück, wenn es ihnen auf Meereshöhe zu heiß geworden ist. Hinaufgebracht hat sie eine der ältesten Bergbahnen Indiens, die Nilgiri Mountain Railway.

Auch auf den Wallberg fährt eine Bahn, die aber hängt an Seilen aus Stahl. Für eine Berg- und Talfahrt berappt man 19,00 Euro. Oben angekommen lustwandeln viele zwischen dem Wallberg-Panorama-Restaurant und der Wallbergkapelle, dem Wahrzeichen von Rottach-Egern. Der Blick hinunter auf den Tegernsee und die Tegernseer Berge ringsum ist fantastisch.

Auch ich zog mich heute auf die Höhe zurück, weil mir die Hitze unten zu viel wurde. Die 24 Grad im Schatten hier oben sind verglichen mit den Backofentemperaturen der letzten Wochen im Tal angenehm kühl. Dennoch klebt mein Laufshirt klatschnass an mir. Kein Wunder, habe ich doch von Anfang an geschwitz und viel trinken müssen. Auch wenn es schattig war, die Luft war trocken. Ich bin den Winterweg hoch, also den Pfad, auf dem auch der Wallberglauf stattfindet. Dieser verflixt steile Anstieg, bei dem auf 5,5km stolze 860hm zu überwinden sind und die schnellsten Männer in etwas über 34 Minuten oben ankommen. Die schnellsten Frauen brauchen nur 5 Minuten länger. Oben heißt, der Zieleinlauf ist neben der Kapelle.

Wenig unterhalb der Kapelle ist der >>>Startplatz der Gleitschirmflieger, die wohl nicht nur heute ein wenig im Stau standen. An ihnen laufe ich vorbei gleich weiter zum Wallberggipfel, nochmal gut 70hm hinauf. Nach einer lustigen Kraxelei auf halber Höhe erreichte ich den Gipfelaufbau, und ich fragte mich, wie die Ägypter es geschafft haben, die Quadersteine hierher zu schleppen. Um den Gipfel herum liegen riesige würfelförmige Steine oder türmen sich auf, auch der Gipfel besteht aus diesen Bauklötzen für Riesen. Vielleicht täusche ich mich auch, und es waren die Legionäre, mit deren Schweiß die Wallbergstraße gepflastert worden ist >>> siehe Tegernseer Tal Hefte (ins Suchfeld "Legionäre" eingeben). Für alle die zu faul sind: Österreichische SA-Leute sind nach gescheitertem Putschversuch 1934 nach Bayern geflüchtet und wurden im Rahmen von Arbeitsmaßnahmen beim Bau der Wallbergstraße eingesetzt.

Wieder unten angekommen mache ich mich auf den Weg zur Herrentoilette des Panorama-Restaurants. "Wasser Notstand" lese ich da auf einem großen Stück Papier, und auch, dass man Trinkwasser oben im Restaurant nachfüllen soll. Hmhmhm! Einerseits kennt man ja die Tricks, wie die Berggastronomen und Hüttenwirte ihren Umsatz steigern wollen, andererseits dauert diese Hitzeperiode schon ein paar Wochen, und warum sollten nicht auch hier oben die Brunnen austrocknen. Ich entschied mich für ein bisschen stibitzen, holte mein mit etwas Hafermehl gefülltes Fläschchen heraus und hielt es schräg unter den Wasserhahn, was nicht recht gelang. Der Hahn war sehr lang, das Becken schräg, so dass es nahezu unmöglich war, ein wenig Wasser einzufüllen. Nahezu! Jede andere 0,5l Flasche wäre hoffnungslos ausgetrocknet, nicht aber meine mit dem weiten Hals. Sie füllte sich, wenn auch langsam. Als sie halbvoll war verschloss ich sie und steckte sie ein. Auf dem Risserkogel, den ich mir als Ziel gesetzt hatte, sollte sie zum Einsatz kommen.

Auf der Treppe hoch und raus aus dem Restaurant fühlte sich meine Trinkweste schwer an. Ein gutes Zeichen. Auf die Idee, dass mein Hafermehl aufgrund des Wassers eine größere Dichte bekommen hat, bin ich nicht gekommen. Voller guter Laune und Vorfreude machte ich mich auf zum Alpenlehrpfad, der mich zum Grubereck und dann weiter zum Risserkogel bringen sollte. Ich laufe den Fahrtweg hinunter, an den Gleitschirmfliegern vorbei und lande bald am Wallberghaus, einem schönen Platz zum Verweilen am Sattel zwischen dem Wallberg und dem Aussichtsberg der Tegernseer, dem Setzberg. Den lasse ich rechts liegen und biege auf einen schmalen Singletrail ein, den Alpenlehrpfad. Die Blumen und Gräser links und rechts des Weges werden immer höher und bunter, ragen auf langen Stengeln hoch hinauf bis auf Kindsgröße, wiegen und sonnen sich an diesem wunderschönen Tag im August und spielen mit mir, indem sie versuchen, mich zu kitzeln.

Wie seid ihr doch alle schön und einzigartig! Immer wieder bleibe ich stehen, staune und fühle mich beglückt ob der Artenvielfalt. Auch das ist Trailrunning.

Dachte ich bei der Planung noch, dass ich auf diesem Kamm in der Sonne laufen würde, ging es bald hinein in den Wald und hinweg über Wurzeln. Schaue ich nach links, geht es steil hinunter. Und drüben wird das Ziel immer klarer und größer: Der Risserkogel und davor der Plankenstein. Kaum bin ich in den Schatten des Waldes eingetaucht, geht es schon wieder über eine Wiese - und immer sieht es so aus, als hätten die Pflanzen hier genug zu trinken. Auch ich hatte immer wieder am Schlauch genuckelt und wollte jetzt wissen, wie viel Wasser ich noch habe. Bei der Gelegenheit füllte ich mein Fläschchen ganz auf und fand es dann überhaupt nicht lustig, dass vielleicht noch ein halber Liter in der Trinkblase war. Normalerweise komme ich mit 2 Litern auf langen Strecken ganz gut zurecht. Mehr als 250ml je Stunde kann der Körper ohnehin nicht verarbeiten. Die ersten 250ml trinke ich noch am Auto; und vorher schon sehr viel. Auf den meisten Downhills ist dann auch noch ein Bach oder eine Tränke für die Rindviecher, wo man auftanken kann. Hier jedoch auf dem Kamm hinüber zum Risserkogel gab es nur ein Rindviech, und das hatte übersehen, seinen Wasservorrat aufzufüllen. Eine gute halbe Stunde war ich vom Wallberghaus aus schon unterwegs, eine weitere würde ich mindestens noch für den Risserkogel brauchen. Zurück nochmal gut eine Stunde, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. Und das war für mich der springende Punkt. Handy hatte ich auch keines dabei.

Bestimmt war es die Blumenpracht, überhaupt die Natur, die mir sehr schnell klar machte, was ich eigentlich will. Ich bin Genuss-Trailläufer, und auf Stress habe ich keinen Bock. So lief ich noch ein Stückchen weiter, bis kurz unters Grubereck, setzte mich auf eine Wiese und holte meine Stärkung heraus. Blickte hinüber zum Plankenstein, erinnerte Winnetou und ließ es mir gut gehen. Auf dem Rückweg gings noch über den Setzberg. Der Pfad von dieser Seite hoch ist kurz aber steil. Bald stehe ich am Kreuz und verstehe, warum dieser Gipfel als Aussichtspunkt so beliebt ist. Auch das Panorama-Restaurant ist von hier aus gut zu sehen. War es die Vorfreude oder meine Dehydration, jedenfalls sah ich mich bereits dort an einem Tisch sitzen und ein alkfreies Weißbier zischen. Bin halt doch ein Weizen Drinker, anders als diese hier:>>> "Wind Drinkers," a short film by Eric Bendick

Zwischen Wallberg und Risserkogel

Zurück

Weiter

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

Immer schön am Kamm entlang - wäre es gewesen


Zur Übersicht