Trailrunning: Achensee - Bärenkopf - Stanser Joch

Winni Mühlbauer - Trailrunning - Bärenkopf - Stanser Joch- 20.9.18


20.09.18
Den Wecker ausgetrickst
Winni

... und eine Stunde früher als geplant aufgestanden. Die Vorfreude wollte nicht länger schlafen, quengelte, will endlich losfahren. Du hast gut reden, sage ich zu ihr, musst kein Frühstück machen, keine Zähne putzen, und scheißen musst du auch nicht. Dann, am Tegernsee, wird sie größer, am Achensee kann sie sich nicht mehr zurückhalten und jodelt. Mir ins Ohr. Der dichte Nebel am nördlichen Ende in Achenkirchen hatte sich in Luft aufgelöst und das frühe Licht tauchte Pertisau und die Berge im Hintergrund in warme Töne. Dazu wolkenloser Himmel.

Die Berge im Hintergrund ... lange Zeit von mir unbeachtet. Dem Rofan geschuldet, wo ich mittlerweile fünf Mal unterwegs war und meinen schönsten Lauftag im Winter hatte, ein Tag, mit unvergesslichen Eindrücken. Dennoch fuhr ich heute ohne Wehmut an der Talstation der Rofanseilbahn vorbei und ums Seeende herum in Richtung Pertisau (952m). Ich parke auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz (5,00 Euro) an der Seeuferstraße kurz vor dem Hotel Gasthof St. Hubertus. (Tipp: Kostenlos parken kannst du an der Rofanseilbahn. Da die Tour auf der Lärchenwiese in Maurach endet, ist der Weg zum Auto sogar kürzer.)

Direkt am Parkplatz beginne ich meine heutige Runde (21km und ca. 1500hm), die mich über zwei Gipfel führen wird. In kurzen Schritten ziehe ich mich auf der Skipiste nach oben und erreiche einen Forstweg. Nicht weit, und mich nimmt linker Hand ein Pfad auf. Es ist schattig, der speckige und feuchte Kalkstein ist tückisch. Gut, dass es hoch geht. Noch bin ich nahezu alleine unterwegs. Das ändert sich schlagartig an der Bärenbadalm (1457m), eine beliebte Hütte mit toller Aussicht aufs Hauptkarwendel. Viele kommen vom Zwölferkopf herüber und sind wahrscheinlich mit der Seilbahn hochgefahren. Die meisten machen es sich schon auf der Terrasse gemütlich, ein paar wenige beginnen den Anstieg zum Bärenkopf.

Auch hier ist der Pfad im lichten Bergwald feucht und das Gestein glatt, dafür teilweise wenig steil und laufbar. Immer wieder wird der Blick frei hinunter zum tiefblauen Achensee. Eine Hangquerung im freien und steilen Gelände fordert meine erhöhte Aufmerksamkeit, da der Pfad schrofig und feucht ist. Nach dieser Passage erreiche ich den Abzweiger hinunter zum Weißenbachsattel, von wo aus ich meinen zweiten Anstieg hinauf zum Stanser Joch(2102m) beginnen werde. Erstmal aber laufe ich weiter hoch zum Bärenkopf, klettere eine lustige Felsstufe hinauf, ziehe meinen Kopf ein, als es neben Felswänden entlang geht und wundere mich über eine Seilversicherung. Allerdings geht es da steiler hinauf, als es auf dem Foto aussieht. Den Kopf des Bären erreiche ich über seinen breiten Rücken, der einen Schlussspurt zum Gipfel (1991m) möglich macht.

Setzen, Gucken, Staunen. Unten der Achensee, links darüber die Seeberg- und die Seekarspitze für Schwindelfreie, am Nordende des Sees die Unnütze und gleich gegenüber das Rofan und das Ebner-Joch (auch schon geplant). Stolz und demütig blicke ich auf die Tage zurück, die ich dort oben unterwegs war. Ich nehme meine Brotzeit zu mir, die wiedermal aus gelöstem Hafermehl und etwas Eiweiß besteht, und trinke ordentlich Wasser dazu. Auch heute ist es wieder warm, aber nicht prügelwarm, dazu nahezu windstill. Zu lange darf ich mich dennoch nicht aufhalten, wenngleich der Löwenanteil meiner heutigen Höhenmeter mit gut 1000m ist geschafft ist, dafür liegen noch 15km vor mir.

Ich schaue nach Süden hinüber zum Stanser Joch, das weniger als Gipfel auffällt, sondern als Teil eines langen Bergrückens, ein Bollwerk zwischen dem Inn- und Weißenbachtal. Etwa mittig steht das Kreuz, und jetzt schon frage ich mich, wie steil es wohl das Halsl hinunter und weiter zur Heiterlahnalm gehen wird. Sehr steil, meinte eine ältere Tirolerin, die mich auf dem Bärenkopf mit Informationen zum Stanser Joch versorgte. Ich laufe zurück zum Abzweiger, entdecke tief unten die Weißenbachalm und nehme den gut laufbaren Pfad zum Sattel dort unter meine Füße. Flott geht es die ersten Serpentinen hinunter, es folgt eine flache Hangquerung, und dann leider - viel zu schnell - liegen auch schon die 300hm hinter mir. Vor mir bauen sich die schroff abfallenden Felswände des Stanser Jochs auf.

Am Weißenbachsattel treffe ich drei Wanderer, die mich frozelnd fragen, warum ich es so eilig habe, der Tag ist doch noch so lang. Meine Reaktion war: Ja, aber der Weg ist noch weit. Möglicherweise habe ich mich hier falsch orientiert, denn ich laufe einfach den Pfad direkt vor mir weiter, der mich im weiteren Verlauf auf schlecht sichtbaren Pfaden zu sehr nach Osten bringt. Ich drehe um, laufe in die entgegengesetzte Richtung und denke, dass diese Traverse ein wenig gegangener "Zubringer" zum richtigen Steig sein muss. Ist er. Ohne mir weiter einen Kopf um den richtigen Weg machen zu müssen, ziehe ich mich erleichtert den sonnenexponierten Hang hinauf. Vor mir niemand, hinter mir niemand. Der Blick zurück auf den Bärenkopf beeindruckend. Erst auf den letzten Metern treffe ich auf eine ältere Wanderin, die wie ich aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt. Beide sind wir glücklich, an diesem tollen Tag hier sein zu können. Auch sie kennt den Weiterweg oben nicht, sagt aber, dass da noch eine junge Dame ist, die auch über den langgezogenen Kamm weiter will.

Kaum bin ich oben, entdecke ich auf der saftig grünen Wiese die hübsche junge Dame, die gerade eine Kamera auf ein Stativ montiert. Will schöne Fotos machen, darf sich nur nicht verzetteln, da sie noch nach Jenbach muss. Also in meine Richtung, ob sie aber über Weihnachtsegg oder das Halsl runter nach Jenbach gehen wird, konnte ich nicht erfrage, da ich die Alternative vor Ort nicht kannte. Sie bietet mir an, Fotos von mir zu machen - wie konnte ich das nur vergessen! Depp! Wiedermal ein Engel zum richtigen Zeitpunkt. Mit einem Servus verabschiede ich mich von ihr, laufe weiter in Richtung Kreuz und finde, dass man hier oben sogar Fußball spielen könnte, so breit ist der Kamm, heute auch Federball, da absolute Windstille - auf einem Ost-West ausgerichteten Kamm mit Lawinenverbauungen auf 2100m!

Ich gehe mehr als das ich Laufe, mache Fotos und schaue links hinunter Richtung Achensee und rechts ins Inntal. Noch geht es eben dahin vorbei an Schneeverbauungen, über Steinplatten und durch kleinere Mulden. Am riesigen Kreuz bleibe ich kurz stehen und esse einen Riegel. Und weiter geht's. Der breite Rücken des Jochs verjüngt sich und in drei kleineren Abstiegen geht es in von Latschen gesäumtes Gelände. Vorbildlich die rot-weißen-Markierungen. Zwei Fragen allerdings drängen sich auf, schaue ich noch weiter nach vorne auf die seitlichen Flanken: Wo geht es hinunter? Und wie? Da ist er auch schon, der Abzweiger links hinunter durchs Halsl. Eine Tafel warnt: Vorsicht bei Nässe, Abrutschgefahr! Auf einem Kilometer geht es jetzt von 1880m auf 1580m hinunter. Der obere Teil ist noch flach und trocken, dann aber wird es im Wald hübsch steil. Mit vom Schlamm zugekleisterten Sohlen steige ich vorsichtig ab und vermute hinter jeder Ecke, dass es noch dicker kommt. Kommt es aber nicht. Und Abrutschgefahr heißt hier lediglich, dass man auf dem Allerwertestes landen kann. Nach Regen allerdings möchte ich hier nicht runter.

Nach insgesamt 14km erreiche ich den Hochleger der Heiterlahnalm und bin happy, dass es endlich wieder einen Trail zum Laufen gibt. Kurz geht es über eine Almwiese, dann verschluckt mich der Lärchenwald. Entlang des Bergrückens Schwarzegg laufe ich auf vielen Serpentinen hinunter in den Tiefenbacher Graben, wo erneut Wandertafeln stehen. Rechts geht es Richtung Rodelhütte und Jenbach, links nach Maurach. Noch immer ist es landschaftlich schön, die Trails durch den Wald erinnert mich an die im Altmühltal , und die kühle herbstliche Luft gibt mir neue Kraft. Selbst hier treffe ich auf keinen Menschen; seit der "Fotografin" war ich mutterseelenallein in dieser wildromantischen Bergwelt unterwegs. Nach 18km erreiche ich die Lärchenwiese, ein Ortsteil von Maurach mit vielen Ferienwohnungen. Nachdem ich über eine Wiese ohne Lärchen und wenige hundert Meter über Asphalt gelaufen bin, geht es bis zum Seespitz wieder durch einen Wald. Die letzten 1,5km zum Parkplatz laufe ich über einen breiten Trimmweg parallel zur Uferstraße am Wald entlang.

Diese Runde kann ich empfehlen. Die Aussichten und Panoramen sind fein und abwechslungsreich, viele Trails laufbar, besonders die nach dem Halsl. Alternativ kannst du auch den Anstiegsweg zum Stanser Joch wieder hinunterlaufen (toller Trail) und dann weiter durch das Weißenbachtal - möglicherweise viel Forstweg -, zur Lärchenwiese. Was mich im Nachhinein allerdings wurmt, ist, dass ich auf dem Stanser Joch den Ochsenkopf (2148m) nicht mitgenommen habe; ein Katzensprung auf der westlichen Verlängerung des Stanser Jochs.

Bis bald:
In the meantime: Ralph Stanley Live: I Saw The Light

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Blick vom Bärenkopf

Blick vom Stanser Joch auf Bärenkopf (mitte) und Rofan im Hintergrund


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