Trailrunning - Seekar - 21.4.16

Winni Mühlbauer - Trailrunning Seekar - 21.4.16


21.4.16
Sommereinbruch
Winni

An der Lenggrieser Hütte angekommen, greife ich mir hinten an den Hosenbund. Er ist klatschnass, auch das Mesh vom Trinkrucksack. Mist! Trinkblase undicht. Ich nehme den Rucksack ab, hole die Blase raus, doch die ist dicht. So also fühlt sich starkes Schwitzen an. Ein Gefühl, das mir lange Zeit abhanden gekommen war.

Die Gemeinde Lenggries, der von der Sonne verwöhnte Eingang zum Karwendel, meinte es heute besonders gut mit mir und schenkte mir einen Sommertag im Frühling. Alles andere als gewöhnlich, bedenkt man, dass es in den Bergen von Sonntag auf Montag nochmal ordentlich geschneit hatte. Was meine Entscheidung, diese Woche Traillaufen zu gehen, ordentlich ins Wanken gebracht hatte. Ja, der Wank wäre wohl auch gegangen, ich aber entschied mich für das Seekar, auch Seekarkreuz. Nur 1601m hoch, aber immerhin 900hm zum Gipfel. Gerade recht zum Wiedereinstieg.

Interessant vielleicht: Der höchste Punkt der Gemeinde Lenggries ist der Schafreuter im Vorkarwendel mit 2102m.

Ich parke gebührenfrei nahe der Burg Hohenburg auf einem Parkplatz, wo sich Hundebesitzer ein Stelldichein geben. Das kleine lichtdurchflutete Wäldchen ist üppig voll mit Bärlauch, denke ich. Hoffe ich, denn zwei Frauen sitzen in Hockstellung mittendrin. Er fängt schon fast zu Blühen an, lange kann er nicht mehr gebärlaucht werden. Ich ziehe mich um, fast schon sommermäßig. Als unterste Lagen streife ich dennoch mein Klima-Tank von skinfit über, das ich sehr schätze. Um den Hals kommt ein Buff, das ich aber nach wenigen Metern schon wieder ausziehe. Denn der Prolog ist flach, lang und ohne Schatten. Ich schlappe dahin, erstmal auf Asphalt, dann auf dem grünen Mittelstreifen eines Weges von dicken Traktorenräder zerpflügt. Langsam nimmt die Steigung zu, die Hitze auch. Endlich das Gatter, wo der Pfad hinauf zur Lenggrieser Hütte beginnt. Die hat leider zu, das las ich im Internet. Prinzipiell geöffnet, nur diese Woche am Di., Mi. und Do. geschlossen. Die schönen Tage halt.

Trocken schlängelt sich der Trail steil nach oben, ein echtes Laufen ist nur selten möglich. Dann aber, wenn es ging, war die Freude doppelt groß. Mit der war es wieder dahin, als ich auf den Schotterweg traf und damit auf das Leid, dass man mit dieser Vergewaltigung der Natur antut. Nutzt alles nichts, gefühlt geht es einen steilen Kilometer auf dieser Wunde dahin. Eine Steilkurve nach links, und ich lande wieder auf einem Waldtrail, noch immer trocken und gut laufbar. Als der Wald lichter wurde, sah ich über mir die Hütte und vor mir die ersten Schneereste. Auch der Weiterweg führte über Schnee, aber nur 50 Meter.

Erstmal aber machte ich eine kurze Rast, weil ich am Rücken patschenass war. Nur wenige Leute saßen auf der Sonnenterrasse, der Blick ins Karwendel fein und Sehnsucht machend. Noch aber sind die Gipfel dort weiß lackiert, mit Glanzlack.

Mein Gipfelchen dagegen leuchtet sympathisch Grün und ist nur einen Katzensprung entfernt. Geschwind geht es die paar Meter über matschigen Schnee, weiter auf trockenem Trail in den Wald hinein und oben wieder hinaus. In der Mittagshitze laufe ich unter wolkenlosem Himmel auf einen Kamm zu, von wo aus es nach links hoch zum Seekar geht. Klack, klack ... ein paar Fotos, und ich mache mich bereit für den Endspurt. Ich bin froh, wieder auf Pfaden ohne Schnee unterwegs sein zu können. Auf dem Gipfel sind überwiegend ältere Herrschaften zu Gast, und was ihnen hier und heute aufgetischt wurde ist Ruhe, Wärme und ein Panoramablick der allerfeinsten Art. Der Guffert, der alte Protz, dominiert Richtung Süd-Ost. Auch ich genieße all das, dazu verköstige ich mich mit Mitgebrachtem: In Wasser aufgelöstes Hafermehl für den Kopf und BCAA für eine rasche Proteinzufuhr. Fett habe immer dabei. Da kenne ich mich mittlerweile gut aus.

Nach zwanzig Minuten dann die Belohnung fürs Rauflaufen, das Runterlaufen. Das Gezogenwerden. Immer wieder spannend, wie das Umschalten funktioniert. Schön die Füße heben und kurze Schritte machen, dann passt's scho. Ich erreiche die Lenggrieser Hütte, ziehe meine nassen Hemden aus und lege mich in die Sonne. So lange, bis ich spüre, dass, wenn ich jetzt nicht gleich aufstehe, ich hier übernachten muss. Ne halbe Stunde immerhin war's dann doch. Für die Beine zu lange. Die dachten schon, hurra, die Regeneration hat angefangen. Schwer enttäuscht trugen sie mich dann leidend die ersten 500 Meter. Dann aber hatten auch sie wieder ihren Spaß und wir waren wieder ein Team. Das war auch gut so, denn über den doofen Schotterweg mit seinen derben Steinen, hieß es aufpassen. Unten angekommen setzte ich mich auf die Laderampe meines Avants und freute mich über diesen tollen Tag.


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