Trailrunning: Chiemgau - Hochries-Umrundung

Winni Mühlbauer - Trailrunning Chiemgau Hochries-Umrundung - 17.5.17


17.5.17
25 Kilo Meter
Winni + Christian

Kaum losgelaufen, kommt es mir so vor, als liefen wir in einem ausgetrockneten Bachbett voll mit Schotter. Das ist typisch für die Trails hier im Chiemgau, meint Christian, und auch, dass wir heute mehr davon unter die Füße bekommen werden. Dass ich davon schwer begeistert bin, wäre gelogen.

Los ging es am Wanderparkplatz in Spatnenau. Von hier aus gehen die meisten auf die Hochries, wenn sie nicht die Seilbahn nehmen. Wir aber wollen den Rosenheimer Hausberg umrunden und erst zum Ende hin dort oben stehen, bevor wir den anfangs technisch schweren Downhill in Angriff nehmen: siehe Video: Seitenalmen Trail Hochries Gopro Hero 2

Auf einer Schotterpiste also laufen wir los und werden gleich wieder ausgebremst von einer gut 15-köpfigen Wandergruppe, die einen Tick eher fertig war als wir. Natürlich schnattern sie alle wild drauf los, sind ja gerade erst 500m unterwegs. Irgendwie mogelt man sich dann doch vorbei und ist hinterher froh, nicht aufgespießt worden zu sein. Bald geht es rechter Hand direkt rauf zur Hochries, über die Seitenalmen-Route, auf der wir zum Schluß herunterwedeln werden, oder rodeln. Wir laufen geradeaus weiter und tauchen leider nach einem Kilometer aus dem Wald heraus und mittenhinein in die aufgeheizte Luft. Erstmal noch geht es flach auf einem Forstweg dahin, links und rechts üppiges Grün und Maiblümchen. Darüber der Riesenberg, der mehr lang als hoch ist. Jedenfalls wollen wir um den herum. Bald schweben ein paar leere Sessel über uns, die bei Mittelstation der Hochriesbahn umdrehen. Ganz nach oben geht es dann mit Gondeln.

Auch wir schweben, auf Wolke 7, denn endlich sind wir wieder in den Bergen, laufen weiter, mal im Schatten, mal in praller Sonne, durch Wald und über Wiesen, inzwischen deutlich bergauf. Und weil es auf Forstwegen so schön ist und es sich gut quatschen lässt, verpassen wir doch glatt den Trail, der uns hinüber bringt zum Gästehaus Winterstube. Die ersten 7km liegen hinter uns, und vor uns ein Sahnestückchen: ein Wanderweg durch allerschönsten Mischwald an steilen Hängen, hochgewachsene Buchen und Fichten und dazwischen Bergahörner. Wir erreichen die Frasdorfer Hütte oberhalb von Aschau und kurz darauf die Hofalm, schauen hinüber zur Kampenwand, die von hier aus gesehen schmal und spitz über den anderen Gipfeln herausragt und drehen dann nach 9km auf südlichen Kurs. Ein kurzes Stück geht es bergab, bevor der lange Aufstieg zum Klausenberg beginnt.

Auch wenn ein leichter Wind weht, ohne Dach über dem Kopf ist es jetzt heiß. Christian läuft vor mir ... und enttäuscht mich zum ersten Mal. Schwer! Er, das Adlerauge, das alles sieht, seltene Blümchen am Wegesrand, Blindschleichen, Käfer, ein paar Katzenaugen, die ich nach drei Mal Hinsehen immer noch nicht sehe, er übersieht heute zwei Hasen, die in der Wiese sitzen und ratschen. Ich muss ihn einbremsen, sonst wäre er doch glatt grußlos an ihnen vorbeigelaufen. Sie seien bereits angekommen, weiter geht es für sie heute nicht mehr. Ich frage, ob noch ein Platz frei wäre. Hier angekommen zu sein um faul abhängen zu können, gefiele mir. Der Plan aber für heute ist ein anderer, und so, wie es hier nach gut 14km aussieht, beginnt die Arbeit für Trailrunner jetzt richtig.

Noch immer unterwegs auf dem Alpenvereinsweg 219 steuern wir auf die Ellandalm zu, kuhlos, weil die Tische für die Kühe auf den Almen noch nicht reichlich gedeckt sind. Uns freut's, müssen wir nicht durch zerpflügte Almwiesen balancieren. Steil geht es hinauf, und weiter oben ist auch der Trail wieder da, der von unten nicht zu sehen war. Vor uns eine Windwurfzone. Von dem ehemaligen Wald ist hier kaum noch was übrig geblieben. Dafür entschädigt der Blick zum Wilden Kaiser und den dahinter liegenden Hohen-Tauern mit Großglockner und Großvenediger.

In einer großen Schleife über österreichisches Gebiet erreichen wir den Sattel zwischen Zinn- und Klausenberg mit teilweise steilen Hängen. Hier steht die Klausen-Hütte, eine ehemals beliebte Einkehr, heute wohl dem Verfall preisgegeben. Wir genießen das Panorama, legen die Rucksäcke ab und machen Rast. Christian verrät mir, dass er Wortspiele mag. "An Alm Schuld" (Quelle: Newsticker postillon.com.) Hat bei mir ein bisschen gedauert. Gerne möchte ich mich bei ihm mit diesem Wortspiel bedanken: "Wo kann man 25 Kilo Meter kaufen?" Wir schauen hinüber zu unserem letzten Etappenziel, die Hochries. Dazwischen ein Hochtal. Erstmal aber geht es über einen latschenbewachsenen Kamm hinauf zum Klausenberg (1554m) mit seinem eisernen Kreuz. In einer leichten und aussichtsreichen Kammüberschreitung geht es über einen Kilometer weiter zum kreuzlosen Predigtstuhl. Ein beliebtes Ziel für Skitourengeher von Aschau aus.

Hier eine 3-D-Animation der Hochries-Gebiets auf bergwelten.com.

Dann, endlich, geht es wieder mal bergab mit uns. Und mitten hinein in den Schnee, der hier augebreitet wie riesige Teppiche fleckerlmäßig herumliegt und uns nasse Füße macht. Die Landschaft aber ist beindruckend, auch der Blick hinunter in dem vom Eis eindruckvoll gestalteter Kessel mit der Abergalm. Das Grün hier auffallend intenisv. 18km liegen hinter uns, und vor uns der zweite Anstieg hinauf zur Hochries. Der Pfad ist steil und übersäht mit großen Steinen. Auf 2 Kilometer überwinden wir 300 Höhenmeter. Dann endlich stehen wir an der Bergstation der Hochries (1542m). Der als "Aussichtsberg der Extraklasse, sozusagen ein Logenplatz", ausgelobte Berg ist an dieser Stelle für mich weder romantisch noch spannend. Der Blick auf den Kaiser und Watzmann war unterwegs schöner. Fein allerdings der Blick auf den Chiemsee und seinen kleinen Bruder, der Simsee. Erinnerungen an Übersee am Chiemsee steigen hoch, wo ich viele Jahre mit Segeln und Surfen verbracht habe. Auch an den Simsee, wo ich es vor mehr als 20 Jahren beim Simsee-Halbmarathon als brutal anstrengend empfand, kurz vor dem Ziel steil bergauf laufen zu müssen.

Wir schnaufen kurz durch und beginnen unseren Downhill, 800hm hinunter nach Spatenau. Schon auf den ersten Metern wird mir klar, dass Müdigkeit und mit ihr einhergehender Mangel an Konzentration fehl am Platz ist. Der Seitenalmen-Trail ist technisch sehr anspruchsvoll, jeder Schritt muss sitzen. Mein Hirn ist zwar mit Kohlenhydraten in Form von Hafermehl aufgetankt, dennoch bin ich nur im Rahmen meiner Möglichkeiten unterwegs, mal wandernd, mal laufend. Christian verliere ich bald aus den Augen. Ich treffe ihn erst wieder an der Wimmeralm im Plausch mit einer Mountainbikerin, die auf dem Weg nach oben ist. Die Hälfte hinunter haben wir geschafft, und damit den schwersten Abschnitt. Mit dem Verschwinden des Gesteins kehrt Kraft und Lockerheit zurück, und beides trägt mich hinunter. Nochmal geht es durch das "ausgetrocknete Bachbett", bevor wir mit unserem Ritual starten: Klappe auf, Doppelzisch, Doppelgrins, Prost! Nein, natürlich kein Bier mit Alkohol.

Hier noch die Auflösung: "Schuld an Alm" hat der Bergbauer, und "25 Kilo Meter" gibt es im Baumarkt, beispielsweise eine Rundstahlkette als Meterware.

Hier der Track: Spatenau - Frasdorfer Hütte - Klausenberg - Hochries - 25km/1400hm TrailrunningBis zum nächsten Mal.In the meantime: Chris Knight - In The Mean Time


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