Trailrunning: Gelbes Gwänd - Stepbergalm

Winni Mühlbauer - Trailrunning - Garmisch Gelbes Gwänd - Stepbergalm - Kreuzweg


24.04.18
Wettkämpfe? Wozu?
Winni + Christian

Gerade rechtzeitig zum Sommeranfang im April ist Christian wieder mit dabei. Vom Parkplatz Schmölzersee am Kramerplateauweg (KPW) oberhalb Garmisch laufen wir erstmal nach rechts zum Pflegersee und von dort den Kellerleitensteig hoch, der uns in einer Schleife unterhalb der St. Martinshütte am Grasberg wieder zurück auf den KPW führt. 4 Kilometer, die unsere müden Muskeln munter gemacht haben. In der Nacht ist ein Gewitter mit geringem Niederschlag durchgezogen, die Luft ist sauber, frei von Pollen und jetzt am frühen Vormittag noch angenehm mild. Die Stepbergalm dürfte im Nebel liegen, denn noch hängt dort oben eine dunkle Wolke.

Auch wenn der schön angelegte KPW für die Füße eines Trailrunners nicht das ist, was sie sich wünschen, für die Augen ist diese mit Tannen, Kiefern, Fichten und Latschen gespickte Landschaft ein Schmaus. Dazu der fantastische Blick aufs Wetterstein und die grünsatten Wiesen. Mal im Schatten, mal in der Sonne laufen wir unterhalb des Kramers in westliche Richtung, passieren die Windbeutelalm und verlassen den KPW nach ca. 8 Kilometern.

Sanft ansteigend bringt uns der Wanderweg nach oben, wird steiler, und bald haben wir das unter den Füßen, worauf wir solange warten mussten: einen reinrassigen schmalen Bergpfad mit Wurzeln und Schrofen und Kurven, und so kurven wir höher und höher, queren ein paar Bachreißen und gelangen in wildromantisches Gelände. Noch ein Trailrunner ist hier unterwegs, der uns entgegenkommt und wenig später bergauf wieder überholt. Er macht in diesem steilen Gelände drei 7:2 Intervalle, nachdem er schon auf der Stepbergalm war. In schneller Frequenz läuft er sieben Minuten nach oben, und zwei hinunter. Er macht das fast täglich, er wohne gleich dort unten. Ob er auch Wettkämpfe bestreitet, will Christian wissen, und er meint lächelnd, wozu. Und weg ist er, ein letztes Mal. Christian und ich stehen oberhalb des Gelben Gwänds (Freeride Gelbes Gwänd) kurz vor den steilen und engen Serpetinen und schauen ihm hinterher, wie locker er den hakeligen Pfad hinunterrennt.

Wir schrauben uns weiter hinauf und erreichen nach 12 Kilometern die ersten Schneefelder und mittendrin die Stepbergalm (1592m), die derzeit nur am Wochenende geöffnet hat. Über uns haben sich graue Wolken breitgemacht, die unten in die eine, oben in die andere Richtung ziehen. Wir essen kurz zu Mittag. Ein paar Walnüsse, etwas Bitterschokolade und einen Riegel. Dazu Wasser. Mehr braucht's nicht, allein der Trail hierher hat uns glücklich gemacht. Zum Kramer wären es nur eindreiviertel Stunden Wanderzeit, nur leider liegt dort oben zu viel Schnee. Der Wank gegenüber allerdings ist auf der Südseite schneefrei. Ebenfalls ein guter Berg fürs Trailrunning im Frühjahr, zumal es viele Varianten gibt. Auf unserem Merkzettel steht er schon.

Vor uns der Downhill über den Kreuzweg, der in einem kurzen nicht ausgeschilderten Anstieg von der Alm wegführt. Bald haben wir Schneekontakt, wenige Meter weiter steht die Luft und es ist sommerlich warm. Flowig laufen wir den Pfad bergab, vergessen dabei aber nicht, hin und wieder stehenzubleiben und die Aussicht aufs Wetterstein zu genießen. Ist es mein ermüdeter Hüftbeuger, wie Christian vermutet, oder einfach nur mangelnde Konzentration: mich schmeißt es. Zum Glück ist es einer jener Stürze, wo ich eine Wurzel nur touchiere und noch ein Bein setzen kann. Das ermöglicht es mir, binnen Millisekunden das Plätzchen auzusuchen, wo ich landen will. Ich entscheide mich für den begrasten Berghang auf der linken Seite. Alles gut gegangen. Blöder ist es, wenn es einem blitzartig die Füße wegreißt und keine Zeit zum Denken bleibt. Dann ist die Intuition gefordert oder eine Engelschar mit guten Ideen. Am Hüftbeuger jedenfalls werde ich arbeiten.

Ich höre einen Bach rauschen. Es ist die Dürerlaine, die uns hinunter zum KPW begleitet. Es ist sehr warm hier unten, und man glaubt es kaum, aber solche flachen fein rausgeputzten Wege sind anstrengender zu laufen als soulige Trails rauf und runter. Gemütlich traben wir zum Auto, und bis jetzt weiß ich nicht, ob Christian es Ernst gemeint hatte, als er voschlug, noch zum Königstand hochzulaufen. Jedenfalls schreibt er mir heute in einer Mail, "den Königstand hätten wir ruhig noch mitnehmen können." Den aber nehmen wir sicher wieder mit, wenn wir dieses Jahr über den Kramer laufen, denn diese Tour ist ein Highlight.

Heute begnügten wir uns mit einer 20km Runde und 1000 Höhenmeter, und belohnten uns in einem uns liebgewordenen Ritual mit alkfreiem Bier und Quark auf der Ladekante meines Autos.

Bis bald:
In the meantime: Kalmah - Evil Kin (official lyric video)


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Auf dem Kramerplateau-Weg Blick aufs Wettersteingebirge