Trailrunning - Vom Pürschling zum Brunnenkopf

Winni Mühlbauer - Linderhofrunde Vom Pürschling zum Brunnenkopf - 22.9.16


22.9.16
Wildromantische Runde ohne Torte
Winni + Christian

Der morgendliche Nebel hat sich verzogen und gibt den Blick frei auf die Bergkulisse hinter dem Schloss Linderhof, mit ihren schrofigen Gipfelchen und Felsnasen, die zart und romantisch das Gesamtbild abrundet und aufgrund ihrer mittleren Höhe nicht erdrückend wirkt. Ein Näschen für Schönes hat er gehabt, der Ludwig.

Christian und ich schauen weit rechts hinauf zum Pürschling, und dann nach links zum Brunnenkopf. Beide Gipfel haben neben einer Hütte noch etwas gemeinsam: Einen Kammtrail (nicht der Maximiliansweg), der sie verbindet. Den haben wir uns heute vorgenommen.

Nicht sicher, ob wir durch den Park müssen, laufen wir rechts an den Kassen vorbei und erreichen nach ein paar Treppenstufen das Marrokanische Haus. Ein paar Besucher kommen uns entgegen, danach wird es einsam und feucht. Steil geht es in vielen Serpentinen auf dem sehr wurzeligen Trail im Linderwald nach oben. An einer Weggabelung beginnt ein leicht ausgesetzter Pfad, der uns hinüberbringt zum August-Schuster-Haus am Pürschling. Wir lassen uns von der Sonne wärmen und schauen hinunter auf den breiten Forstweg, der von Unterammergau hierher führt und ein paar Wanderer hochgebaggert hat. Weiter oben bewegt sich ich eine Gruppe nicht mehr ganz junger Männer in Richtung Teufelstättkopf, dorthin, wo auch wir hin wollen. Rasch haben wir sie eingeholt und globige Bergstiefel und Stöcke vor unseren Nasen. Klick, klack. Christian überholt geschickt links außen am Abhang ein paar von denen, ich fädle mich ein. Endlich. Der vor mir hat mitbekommen, dass ich es eilig habe, die anderen noch nicht. Alle zusammen hätten wir wenig Platz auf dem Teufelstättkopf (1758m), der unproblematisch mit Drahtseilversicherung zu erklettern ist. Ich drängle etwas und gebe dann Gas. In wenigen Minuten stehen Christian und ich zusammen mit ein paar anderen auf dem schrofigen Gipfelchen mit feiner Aussicht. Wie an einer Perlenschnur reihen sich Laubeneck, Hennenkopf und Brunnenkopf aneinander, die alle etwa die gleiche Höhe haben (1760m).

Ein Trailrunner, der hier zu Hause ist, findet die Trails hinüber zum Laubeneck und weiter bis zum Brunnenkopf edel. Gespickt mit Steinen sind sie, nur leider sind diese nicht edel. Eher richtig fies. Die Berglandschaft jedoch, durch die sich dieser anspruchsvolle und hin und wieder leicht ausgesetzte Trail schlängelt, ist märchenhaft schön. Unser Laufstil weniger. Man könnte es Herumeiern nennen, wie wir auf dem schmalen Pfad unterhalb des Kamms auf und ab laufen, sagen aber lieber dazu, dass er unflowig ist. Christian kann diesen Trail besser meistern als ich, nur spielt ihm heute seine Somatische Intelligenz einen Streich. Fordert von ihm eine Torte. Jetzt auf der Stelle. Nur: Wo eine Torte herbekommen mitten auf dem Berg? Und weil dieser Wunsch nicht erfüllt werden kann, lässt ihm die SI bis zum Ende unserer Tour keine Ruhe. Immer wieder sagte er spontan "Torte", und ehrlich, hätte er Zwetschendatschi gesagt, ich hätte ihn gewürgt.

Den Aufstieg zum Hennenkopf ersparen wir uns und laufen erstmal noch auf einer Traverse weiter, auf einem von langen Gräsern gesäumten Pfad, der jetzt ganz schmal geworden und manchmal kaum noch sichtbar ist. Dann wird er auch noch steil, und in sehr engen Serpetinen geht es auf einem Wiesenhang hinunter zum Maxilimiliansweg, der das August-Schuster-Haus mit der Brunnenkopfhütte verbindet. Das letzte Stückerl zu dieser Hütte unterhalb des felsigen Brunnenkopfs laufen wir auf einem Wirtschaftsweg. Die an Wochenenden gut besuchte Terrasse ist heute leer, ist ja auch schon spät. Ich bemerke, wie Christian heimlich die Speisekarte studiert, aber eine Torte fehlt im Angebot. Dafür gibt es einen Bergsteigertopf. Wir brauchen aber keinen, sondern machen uns nach einer kurzen Rast auf zum Brunnenkopf. Steil geht's hinauf, und auf Trittsicherheit und alpine Erfahrung wird auch hingewiesen. Die ist nur auf den allerletzten Metern erforderlich, und da hängt ein Stahlseil herum. Wie schon auf dem Teufelstättkopf ist der Platz hier oben knapp, nur diesmal sind wir alleine, schauen in die Ferne und genießen das Angekommen sein.

Wenige Minuten später schalten wir wieder um auf Downhill, chruisen hinunter, vorbei an einer kleinen Gruppe an der Hütte, die den Gipfel auch noch erobern will. Wir frösteln und laufen gleich weiter. Bald legen wir einen Zahn zu, auf dem ganz und gar nicht sanften Wirtschaftsweg hinunter nach Linderhof, wo nochmal Konzentration gefordert ist und das Aushalten eines Schmerzes im Oberschenkel, dort, wo uns morgen alles weh tun wird.

Erstmal aber sitzen wir auf der Ladekante des Avants, hauen Leckerlies hinein, auch ein alkfreies Bier, und als es gerade am Schönsten war, fragte mich Christian, ob ich Zwetschgenknödel kenne, und sagt, wie er sie zubereitet, und dass dann, wenn sie fertig sind, sich keiner im Umkreis von 3 Metern von ihm aufhalten darf. Hatte der ein Glück, dass ich satt, zufrieden und müde war.

Noch'n Blick auf den Tacho: 18,2km und 1380hm.

Bis demnächst.

In the meantime: These Are The Days - Van Morrison
These are the days now that we must savour
And we must enjoy as we can
These are the days that will last forever
You've got to hold them in your heart.

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