Winter Trailrunning am Hirschberg und Kratzer

Winni Mühlbauer - Wintertrailrunning am Hirschberg 25.12.17


25.12.17
Kopfkratzen am Kratzer

Winni

Schon einmal war ich am Hirschberg, gut drei Jahre her, Anfang September. Heute ist der erste Weihnachtsfeiertag, ein fein herausgeputzter sonniger Tag, einer in der Serie von dreien. Am Freitag hat es hier oben leicht geregnet, erzählt mir jemand aus der Nachbarschaft, der mit Tourenskier unterwegs war. Bringt meine Planung ein wenig durcheinander, weil ich mir die Fortsetzung meines Wintermärchens erhoffte, mit Pulverschnee und feine durch die Luft fliegende Eiskristalle.

Am Morgen schaue ich mir bei einer Tasse Kaffe die Bilder der Webcam von der Tegernseer Hütte an ... und schon sitze ich im Auto. Der Kaffee muss warten. München im Nebel. Der lichtet sich ab Hofoldinger Forst. Verkehr so gut wie keiner. In einer halben Stunde erreiche ich Gmund am Tegernsee. Fünfzehn Minuten später fahre ich meine Karre auf den sonnenbeschienenen Wanderparkplatz in Kreuth-Scharling. Drei Autos stehen schon da. Statt des gelben Kästchens für die 3 Euro Tagesgebühr, nimmt jetzt ein Automat das Geld in Empfang. Die Wandertafel sagt 3 Stunden Wanderzeit zum Hirschberg.

Aufgeladen mit viel Vorfreude laufe ich um 10:30 Uhr los. Nach ein paar hundert Meter auf Asphalt erreiche ich den Wanderweg, der im Winter ab 12 Uhr als Rodelbahn genutzt werden darf. Dann ist da noch ein Schild: Wir haben bis einschließlich 27.12.17 Betriebsferien - Hirschberg Haus. Volltreffer, die schönsten drei Tage weit und breit. Dafür ist das H-Haus sonst ganzjährig geöffnet. Hat aber auch Vorteile: am sonst überlaufenen Hirschberg ist heute kaum was los. Das wiederum hat auch Nachteile ...

Langsam ziehe ich mich den schneebelegten Wanderweg hoch, der sich gemächlich den südöstlich ausgerichteten Berghang hinaufwindet. Immer wieder wird der Blick frei auf den in prachtvollem Weiß gekleidete Hirschbergsattel samt Gipfel. Ich erreiche den ersten Abzweiger, den Steig, der den Forstweg abkürzt. Eine einzige Spur ist zu sehen, die Tritte gehen tief. Auch wenn ich mit Wärmepads über den Zehen unterwegs bin, nach Gestapfe ist mir heute nicht. Ich will laufen! Der nächste Abzweiger geht rechts weg und führt nach Bad Wiessee. Vielleicht eine interessante Alternative, die auf dem Rückweg über den Fockenstein führen könnte. Weiter geht es den verschneiten Weg hoch, bis ich nach gut 4km dessen Ende erreiche, die Talstation des Versorgungslifts (1346m), gleichzeitig der Startpunkt der Rodler.

Für mich geht es links weiter, auf einem lupenreinen Wintertrail, gespurt von Schneeschuhgehern. Die großen Spuren erinnern mich spontan an die Trittflächen eines Steppers im Fitness-Studio. Ich liebe Schneeschuhe! Wenn andere in ihnen einen laufbaren Pfad in den tiefen Schnee treten. Ich dagegen brauche Trailschuhe an den Füßen. Es wird steiler, und aus den tellerförmigen Spuren wird bald ein schmaler Pfad, der sich canyonartig durch Schneeberge windet. Da ist es wieder, mein Wintermärchen.

Ich erreiche einen weiteren Abzweiger. Rechts: Sommerweg. Links: Winterweg über Kratzer und ein roter Punkt. Der Sommerweg ist nicht gespurt, also den Winterweg weiter. Der zieht ordentlich an, der Hang wird steiler. Bald erreiche ich die ersten Seilversicherungen mit einem doppelten Lauf, also zwei Seile in unterschiedlichen Höhen. Heute braucht man sie nicht, da gut gespurt ist, aber bei weniger Schnee und Eis dürften sie gut genutzt werden. Im Zickzack geht es an den Seilen steil hinauf zum leicht ausgesetzten Vorgipfel des Hirschbergs, der Kratzer (1543m). Ich schnaufe durch. Und gleich nochmal: Phantastische Panoramen machen sich auf. Auf der einen Seite der Blick hinunter zum Tegernsee. Links davon der Fockenstein, dann der Ochsenkamp. Vor mir der Hirschbergsattel und der Hirschberg. Wenig unterhalb das Hirschberg Haus.

Dann begeben sich meine Augen auf die Suche. Nichts! Gehofft hatte ich, aber die beiden Wanderer, die mir beim Aufstieg entgegengekommen waren, hatten Recht: "Leider ist zum Hirschberg hoch nicht gespurt. Auch wenn wir ungefähr wissen, wo lang, hatten wir keine Lust aufs Stapfen."
Auf dem Hirschberggipfel sehe ich zwei Personen, eine weitere Gruppe nähert sich mit Tourenskieern dem Sattel.

Da stehe ich nun am Kratzer und kratze mich am Kopf. Nicht aus Verlegenheit, sondern aus Ratlosigkeit. Da ich das Gelände hier nicht kenne, wird nichts aus meinem Plan. Der sah den Gipfel vor und den Downhill auf der anderen Seite über die Rauheckalm und Skipiste.

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Wintertrailrunning. Was es für mich bedeutet. Vor allem Naturerlebnis und Mystik. Und Spaß! Auch wenn
der Laufanteil bei kaum oder nicht gespurtem Schnee deutlich geringer ist, als im Sommer: den Berg hinunter
kann man fast immer laufen, auch querfeldein. Bevorzugt laufe ich mit Spikes. Damit schalte ich Kopfarbeit auf
wechselnden Bodenbeschaffenheiten aus, vor allem auf längeren Wirtschaftswegen. Ob Eis oder Schnee, mit
Spikes kann man ohne nachzudenken locker drüber brettern. Dazu trage ich wind- und wasserdichte Socken von
sealskinz, und wenn ich nicht zu faul bin, sie anzulegen, auch Gamaschen. Stöcke hatte ich bisher nicht dabei.

Weil ich trotz dieser kleinen Helferlein oft eiskalte Zehen hatte, klebe ich neuerdings Wärmpads auf die Socken
über den Zehen. Warum diese Dinger auch anfangen können, extreme heiß zu werden, muss ich noch heraus-
finden.
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Der Blick in den Hohen Tauern hält mich noch eine ganze Weile gefangen, das flache Licht zaubert eine wunderbare Tiefe in die Welt der Drei- bis Viertausender um den Großglockner herum. Derart konturenreich und "nah" habe ich diese stolzen Riesen noch nie gesehen. Ein Traum! Ich esse den Rest meines Riegels und mache mich auf den Weg zurück. Beim Abstieg kommt mir das seilversicherte Stück des Winterwegs noch steiler vor, als beim Aufstieg. Noch gehe ich. Dann erreiche ich den Forstweg und will durchstarten. Geht aber nicht, da sich gerade zwei vorbereiten, sich auf ihren Schlitten zu setzen. Ich lasse die beiden erstmal fahren und laufe dann los. Hole die beiden rasch ein, da sie nicht recht weiter kommen. Ich schließe eine Wette mit mir ab: Ich bin schneller unten als die zwei. In langen Schritten mit Fersenlandung laufe ich hinunter, begegne mehrere Rodler, die ihre Schlitten nach oben ziehen, und gebe weiter Gas. Nützt alles nichts. Weiter unten sind die Bedingungen für Kuven besser, und die zwei brettern an mir vorbei. Auch gut, muss ich mich nichtmehr umschauen. In zwanzig Minuten bin ich wieder unten. Es hat 8 Grad. Angenehm das Umziehen in der Sonne ohne Eile. Mir gegenüber steht der Wallberg. Leider habe ich keine Stirnlampe dabei. Was für eine blöde Ausrede! Natürlich wäre der auch noch gegangen. Nur ist der halt auch verdammt steil.

Es war eine kurze Runde voller üppiger Erlebnisse, heute am 1. Weihnachtsfeiertag, ein Tag, an dem andere üppig und unmäßig Essen. Völlerei genannt. Hier noch die Daten: 11,55km und 811 Höhenmeter.



Bis bald-
In the meantime: Trout Steak Revival - "Brighter Every Day


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Blick vom Kratzer auf den Tegernsee

Blick vom Kratzer auf den Hirschberg


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