Trailrunning: Seeberg Umrundung und Gipfel

Winni Mühlbauer - Trailrunning Seeberg Umrundung und Gipfel am 26.10.17


26.10.17
Nix-wie-raus-Tag
Winni

Hm! Hmhm! Auf der Fahrt nach Bayrischzell komme ich ins Grübeln. Soll ich wirklich diesen verdammt schönen Tag, wohl der letzte mit sommerlichen Charm, an einem Berg verschwenden, der unscheinbar gegenüber dem Wendelstein sein Dasein fristet. Ähnlich unscheinbar wie auch der Staffel in der Jachenau. Der aber entpuppte sich als richtiger guter Berg fürs Trailrunning mit tollem Fernblick.

Ich parke meine Kiste in Osterhofen auf dem Parkplatz der Seilbahn hinauf zum Wendelstein. Und schon juckt es mich, ihn ein weiteres Mal hochzulaufen. Da ich den Technoberg aber schon zur Genüge kenne, besinne ich mich auf meinen Plan und mache mich auf den Weg. Hinter der Seilbahnstation laufe ich links, geradaus zu den Gleisen der BOB, orientiere mich dann an den Tafeln "Hochkreuth". An der Alm bleibe ich stehen und schaue in zwei Hundeaugen und dann durch zwei Bäume hinüber zum Seeberg. Hm! Hmhm! Ich nehme es vorweg: Der unscheinbare Berg da drüben ist hervorragend geeignet für einen Bergsprint auf tollen Trails. Selten steil und technisch leicht. Rasch kommt man auf die Ostseite und läuft schon in der Sonne, erklimmt auf der Südseite den Gipfel und bleibt auch beim Downhill on the sunny side.

Über eine Wiese laufe ich direkt auf den Seeberg zu und erreiche am Ende eine Bank und den ersten Trail. Die Serpentinen bringen mich im Mischwald hinunter bis kurz vor Bayrischzell, wo ich einen kleinen Abstecher zum Wasserfall mit seinen grünen Gumpen mache. (Schon ein Stück vorher an einer Weggabelung geht es links nach "Bayrischzell über Grüne Gumpen" und geradeaus weiter "Bayrischzell". Dieser Tafel bin ich gefolgt. Nach 4km erreiche ich den Ort. Bei den ersten Häusern orientiere ich mich in Richtung Kirche, laufe durch den Mini-Stadtpark, dort rechts zum Hotel Gasthof zur Post und biege nach links ein. Wenig weiter überquere ich die Bundesstraße 307 und befinde mich auch schon am Wanderparkplatz Seeberg u.a. Rechts vom hanglagigen Minigolfplatz beginnt mein Anstieg. Gleichzeitig bin ich unterwegs auf dem Bayrischzeller Höhenweg (5 Std.), der hier beginnt und mich mit einer kurzen Unterbrechung bis zur Klarer Alm begleiten wird.

Erstmal noch auf einem Wanderweg, der aber rasch in einen Wanderpfad mündet, ziehe ich mich nordseitig im Mischwald in zahlreichen Serpentinen nach oben. Das Laub unter meinen Füßen sieht trocken aus. Ich nehme ein Blatt, es ist nur ein bisserl feucht. Vor zwei Tagen hat es hier geschneit. Auf dem weiteren Weg nach oben erreiche ich einen Aussichtspunkt mit einem Bankerl, wo ich hinübergucke zum Wendelstein. Nochmal nehme ich Fahrt auf, bis ich ein Täfelchen entdecke: "Sankt Josephs Deliciusquelle". Blöd, da schleppe ich 2 Liter Münchner Leitungswasser mit, und hier gibt es kostenfrei köstliches Quellwasser. Weiter geht es über ein paar Wurzeln und schrofige Passagen, insgesamt wird es heller. Ich erreiche die Ostseite des Seebergs, die Herbstsonne zaubert feine Reflektionen ins trockene hohe Gras. Der Wald gibt den Blick frei auf den Großen Traithen und das Sudelfeld, weit vor mir in einem kleinen V-Ausschnitt ist der Großglockner zu sehen. Unten im Ursprungstal strebt die Tiroler Straße in Richtung Landl. Der Trail flacht ab und lädt ein, bergauf ein wenig Tempo zu machen. Nach ca. 8km erreiche ich die Neuhütte (1232m), die leider schon geschlossen hat. Links geht der Bayrischzeller Höhenweg weiter. Ich laufe rechts an der Hütte vorbei und beginne den Aufstieg zum Gipfel. Anfangs steil, dann wieder flach über eine Wiese, zieht sich ein Singletrail nach oben. Herrlich der Blick hinüber zum Hochmiesing und zur Rotwand mit den vorgelagerten Ruchenköpfen. Auch eine Tour, die von hier aus zu machen ist. Rotwand (5 Stunden wandern). Eine ähnliche Tour habe ich 2014 von Geitau aus gemacht, die Rotwand-Reibn.

Ich erreiche die Seeberg Alm (ca. 1350m), die ebenfalls geschlossen ist. Ein älterer Herr, der es sich hier gemütlich gemacht hat, verrät mir seinen Lieblingsberg in dieser Ecke, die Aiplspitze, die von hier gut zu sehen ist. Für mich geht es weiter. Auch die letzten knapp 200hm zum Gipfel sind laufbar, wenngleich das Gelände felsiger wird. Ich erreiche die Kante und natürlich springt mich wieder der Wendelstein und links davon der Breitenstein an. Gerne erinnere ich die Breitenstein-Wendelstein-Runde, zumal sie ein Test dafür war, ob meine damals angeknackste Rippe halten würde. Die letzten Schritte zum Kreuz gehe ich und treffe auf zwei "Alte Weiber" (sie selbst nannten sich so, weil ja Altweiber-Sommer ist.) Wahrscheinlich lag es aber am Ouzo, den sie süffelten und auch mir anboten. Ich sagte nur: "Oh oh!" und sie meinten, was heißt da "Oh oh?". Ich gehe weiter, ziehe mein klatschnasses Shirt aus und eine zweite trockene Lage an, schnappe mir mein Fläschchen mit Zaubertrunk und genieße die Sonne und die Aussicht. Auch schaue ich hinunter nach Osterhofen auf den Parkplatz und verfolge die Linie meines bisherigen Laufs über die Hochkreuth, die noch in der Sonne liegt. Gute 10km waren es bis zum Gipfel, und davon fast alles laufbar.

Ich überlege, ob ich diesen Weg zurücklaufen soll, denn ich weiß, dass weiter unten ein langer Wirtschaftsweg auf mich wartet. Eine Umrundung aber würde mir neue Ausblicke schenken. Ich mache weiter nach Plan. Erstmal geht es hinunter zur Seeberg Alm. Dort laufe ich nicht den Pfad hinunter zur Neuhütte, den ich hochgekommen bin, sondern oberhalb der Alm geradeaus weiter. Auch der nun folgende ca. 2,5km lange Waldpfad ist trocken und und gut zu laufen. Er stößt auf den Bayrischzeller Höhenweg, der jetzt allerdings ein Wirtschaftsweg ist und mich in einer scharfen Rechtskurve nach der Klarer Alm in Richtung Geitau/Osterhofen bringt. Wer Lust hat, hier wieder Richtung Neuhütte und dann den Trail am Seeberg hinunter nach Bayrischzell zu laufen, kann hier (Weggabelung Pfad/Forstweg) links abbiegen - eine durchaus interessante Alternative. Ich laufen den Forstweg weiter in Richtung Klarer Alm. Immerhin kann ich den nach ca. 2,5km wieder verlassen und auf einen Wanderweg einbiegen, der mich vorbei an herbstlich geschmückten Laubbäumen entlang des Alpbaches zur Bundesstraße bringt. Die überquere ich und laufe auf dem Radweg zum Parkplatz.

Erstaunt bin ich, dass am Ende 17,8km und 1100hm auf dem Tacho meiner TomTom standen.

Im Winter werde ich sicherlich hier nochmal bei Schnee laufen, dann auch wieder als Umrundung, ansonsten wäre meine Empfehlung, die Tour hin und zurück zu machen.

In the meantime: Duskmourn - Forged by Fire and Stone

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Blick vom Seeberg hinüber zum Wendelstein


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