Naturlauf - Zwiesel, Blomberg ... 19.9.15

Winni Mühlbauer - Naturlauf Zwiesel, Blomberg und Heiglkopf - 19.9.15


19.9.16
Jubel, Trubel, Einsamkeit
Winni

Bin auf dem Weg vom Flughafen nach Bad Tölz, ein Transfer, und stecke im Stau. Nicht Stop and Go. Stillstand. Eben der Verkehrsfunk von B3. Nix. Was nützt mir deren Stauzeitrechner, wenn sie diesen Stau hier nicht melden? Nach zwanzig Minuten dann doch noch: Dadadadadaaaaada "Vor der Baustelle Hofoldinger Forst 10km Stau, rechnen Sie mit einem Zeitverlust von 40 Minuten." Die aber sind schon lange rum. Vielleicht hat sich dieser Stillstand ohne Unfall Richtung Salzburg auch von jetzt auf gleich gebildet. Jedenfalls geht es auf Mittag zu, und mein Plan, zum Schildenstein hoch zu laufen, ist geplatzt.

Dann eben Plan B: Konditionslauf am Blomberg. Ja, genau! Dort, wo unten Halli galli ist. Sommerrodelbahnzirkus. Entsprechend voll ist der Parkplatz. Es geht auf 13:00 Uhr zu. Ein junges Paar macht mir eine Lücke frei und schenkt mir obendrein noch den Parkschein. Schon gefällt mir dieser Tag besser. Als ich aussteige und mich in der Sonne umziehen kann, gefällt er mir schon richtig gut. Als ich dann auch noch einsam erstmal den Forstweg hochlaufe, finde ich meinen Frieden.

Wie definiere ich - für mich - einen Konditionslauf? Im Rahmen einer relativ kleinen Runde (bis 3 Stunden) laufe ich den Anstieg so flott es geht durch und halte die Spannung im Muskel hoch, auch wenn es mal weh tut. Ideal sind Steigungen zwischen 7 und 15 Prozent und eine Dauer von etwa 1 Stunde. Gut geeignet dafür sind Forst- und Wanderwege, also Rennstrecken, wo man seine Form testen kann.

Und genau diese Rennstrecken gibt es hier auf dem Blomberg/Zwiesel nahe Bad Tölz und Wackersberg. Singletrails sucht man hier vergebens. (Gibt es doch, teilte mir Christian mit. Die sind aber eher auf der Nordseite Richtung Benediktbeuren und daher feucht und schattig). Vom Parkplatz der Blombergbahn (2 Euro) führen zwei Rennstrecken nach oben zum Blomberghaus:

Wanderweg: 4,5km - 500hm - 11,4% durchschnittliche Steiung
Wirtschaftsweg: 7,0km - 500hm - 7% durchschnittliche Steigung

Sollte sich jemand wundern, warum Mütter und Väter sich plagen und ihre Kinderwägen auf dem Wanderweg nach oben schieben, dem sei verraten, dass auf einer großen Tafel am Anfang beider Wege nicht die Steigungen, sondern nur Länge und Wanderzeiten angegeben sind:

Wanderweg: 1-1,5 Stunden
Wirtschaftsweg: 1,5-2 Stunden

Auf dem Wanderweg wird auch ein Berglauf durchgeführt, daher gibt es Tafeln mit den gelaufenen Höhenmetern. Im Winter wird dieser Weg zu einer beliebten, nicht ganz ungefährlichen Winterrodelbahn. Das Ding also ist steil, weswegen ich mich erstmal auf dem Forstweg einlaufe und auf halber Strecke über einen Verbindungsweg (wenig bekannt) auf die steile Strecke wechsle. Dass mir heute Schlitten entgegenfliegen, muss ich nicht befürchten.

Ich laufe am Blomberghaus vorbei Richtung Zwiesel. Der Abzweiger zu ihm hoch ist nass, kantig, holprig und richtig steil. Nochmal eine schöne Herausforderung. In zehn Minuten habe ich die 90hm hinter mir gelassen, erreiche einen grünen Buckel und bald das Kreuz. Zu meiner Freude scheint die Sonne und es ist nahezu windstill. Mein Blick schweift hinüber zur Benediktenwand und den Grat vom Brauneck über den Latschenkopf und die Achselköpfe. Die Gipfel sind frei von Wolken, die aber schon tief hängen. Die Wolken ..., die sollten heute mein fotografisches Thema werden. Am Zwiesel aber wusste ich davon noch nichts. Ich laufe wieder runter, passiere die Blomberghütte und sprinte weiter Richtung Heiglkopf. Auf dem Weg dorthin steht in einer Senke das Kreuz vom Blomberg, weil es hier vom Tal aus zu sehen ist. Mein Blick aber ist auf den Himmel über mir gerichtet, wo eine große dunkle Wolke hängt, an der vorbei die Sonne ihre Strahlen auf die Wolkenformationen über dem Lenggrieser-Tal lenkt.

Dachte ich noch, dass die Ausbeute an Fotos heute beschämend sein wird, weil es hier kaum Motive gibt, waren mir meine Engel doch wieder hold. Und so lichtete ich den Himmel ab, mit den Kreuzen vom Blomberg und Heiglkopf.

Nochmal geht es zum Blomberghaus und von dort den steilen Wanderweg nach unten. Und hier kommt der zweite Teil meines Konditionstrainings. Was bergab auf Trails zu kurz kommt, ist das Trainieren der Backenbremsen. Gemeint sind natürlich die Arschbacken, deren oberster Teil. Gefordert werden diese, wenn ein Forstweg so steil ist, dass man stets leicht bremsen muss, um nicht unkontrolliert zu schnell zu werden. Anders gesagt: Einfach nur laufen lassen geht nicht, will man nicht mit der Ferse landen (und Knie, Hüfte und Rücken kaputt machen), sondern auf dem Mittelfuß. Die Energie für dieses Bremsen kommt aus den Backen - bzw. geht dort hinein. Jedenfalls beginnen sie relativ schnell zu glühen, so auch heute auf meinen letzten 4,5 Kilometern.

Trailrunning: Zwiesel und Blomberg

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Nütze deine Talente, auch wenn sie bescheiden sind. Der Wald wäre sehr stille, wenn nur die Nachtigallen sängen."

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Naturlauf am Zwiesel, Blomberg und Heiglkopf

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