Winni Mühlbauer - Trailrunning: Kampenwand-Runde Weitlahnerkopf - Kampenwand - Hochplatte: 19.6.18

19.06.18
Holprige Pfade - reizvolle Landschaft
Winni + Christian

Wir starten unsere Runde frühmorgens in Mühlau, im Chiemgau nahe Schleching. Und freuen uns ausnahmsweise mal über den bedeckten Himmel. Die Runde wird lang, 23km, gespickt mit 1830hm. Eine Sonne, die uns auslaugt, brauchen wir da nicht. Die uns noch unbekannten Trails entpuppen sich überwiegend als batzig und gespickt mit glatten, feuchten Steinen. Ein flowiges Trailrunning ist bei diesen Bedingungen leider nicht möglich, selbst zügiges Wandern fällt oft schwer.

Der erste Anstieg hinauf zum Weitlahnerkopf (1615m) ist mit gut 800hm der längste von den dreien, die vor uns liegen. Auf dem leicht ansteigenden Wanderweg geht es im Mischwald langsam aber stetig hinauf. Obwohl es nur 17 Grad hat, ist es jetzt schon schwül. Schweiß tropft vom Kinn. Jeder von uns hat knapp 2 Liter in der Trinkblase gebunkert. Die sollten reichen bis zur Bergstation der Kampenwandbahn.

Was haben wir blos den Bergen im Chiemgau getan, weil sie uns einmal mehr Steine in den Weg legen? Dazu hat es in der Nacht von Sonntag auf Montag kurz aber heftig geregnet, so dass wir schon im unteren Teil batzige Schuhe haben und der Gripp für die glatten Steinplatten dahin ist. Wir hoffen auf Einsicht der Berge und auf gut laufbare Trails. Die kommen nach 6km, als wir aus dem Wald heraus in Richtung Haidenholzalm laufen. Ein feiner Trail zieht den Hang hoch und uns gleich mit. Oben entdecken wir Schnee, weiße Flecken, die sich in den steilen Wiesenhang verbeißen und nicht loslassen wollen. Wolken wabern über wehrhafte Felsen oberhalb der Haidenholzalm und sind dabei, sich mehr und mehr aufzulösen. Noch ist es früh, und ich denke an meine Sonnencreme im Auto. Die Tube wiegt vielleicht 50gr. Warum? Warum liegt die im Auto? Depp!

Nach 8,5km nähern wir uns langsam dem ersten Etappenziel, dem Weitlahnerkopf. Ein kleiner spannender Gipfel mit einfachem Klettersteig, der sich im Schatten von Geigelstein und Kampenwand sicherlich auf Besuch freut. Den hat er auch schon, als wir am Kreuz ankommen. Eine einsame Wanderin sitzt da. Die aber, so unser Eindruck, ist vom Auftauchen zweier Typen mit komischen Rucksäcken, aus denen Schläuche hängen, weniger erfreut, obwohl wir uns ganz leise unterhalten. Bald machte sie sich von dannen.

Dazu eine Anekdote: Als ich im Altmühltal unterwegs war, traf ich am Ende meiner Runde eine Frau, unterhielt mich mit ihr und wunderte mich, warum die so komisch auf meine Brust guckt. Als ich ihr sagte, dass ich jetzt knapp 30km gelaufen war, fragte sie, ob ich da ein Sauerstoffgerät mit mir führe.

Christian und ich schauen hinüber zu unserem nächsten Etappenziel, die Kampenwand, und auch die Hochplatte rechts daneben ist schon zu sehen. Adlerauge sieht, was ich nicht sehe, wenngleich ich artig nicke. Mit dem Finger zieht Christian Linien in die Luft und sagt, dass wir hier schon den gesamten weiteren Verlauf bis auf die Hochplatte sehen können. Hier hinunter, drüben wieder hoch, den Trail unterhalb der Kampenwand, den anschließenden Downhill und dann der letzten Anstieg hinauf zur Hochplatte. Alles was ich sehen kann, ist, dass das ganz schön weit ist.

Erstmal aber geht es in einer Felsrinne steil hinunter. 40m hangel ich mich an Stahlseilen den Klettersteig hinunter, verknote mal meine Beine, doch Christian hilft mir aus der Patsche: "Den linken Fuß noch weiter nach links!". Der Halt ist wieder da. Ansonsten ist der Steig problemlos. Würden da nicht zwei Seile am Ende lose herumhängen. Unten angekommen schlagen wir auf einem Trail auf (wie das in diesem Kontext ulkig klingt), dessen Serpentinen nicht nur batzig und verblockt sind, sondern auch hübsch steil. Christian macht eine gute Figur dahinunter, ich kann mir zum Glück von außen nicht zusehen. Nach 10km sind wir sozusagen wieder im Tal und nehmen den zweiten Aufstieg zur Bergstation der Kampenwandbahn in Angriff. Auch der Himmel hat jetzt kein Erbarmen mehr und strahlt von seiner schönsten Seite. Auch wenn ich mich wiederhole: Depp! Für den Kopf aber haben wir immer was dabei, alles andere wäre grob fahrlässig.

Landschaftlich wird es immer schöner. Die Felszacken der Kampenwand stets im Blick, kommen wir gut voran. Was das Trinken anbelangt, können wir endlich aus dem Vollen schöpfen, die Tanke ist nicht mehr weit. Schon nach weiteren 4km füllen wir im public restroom (klingt hübscher als WC) der Bergstation unsere Trinkblasen wieder randvoll auf und erfrischen uns. Draußen bläst die Blauthermik, uns wird noch frischer. Viele Jahre war ich nicht mehr hier oben, und hintenherum schon gar nicht unterwegs. Ich freue mich auf diesen Abschnitt, auch wenn da ein Schild darauf hinweist, dass alpine Erfahrung und Trittsicherheit notwendig sind. Diese Warnung wendet sich aber eher an Senioren und Ballerina-Trägerinnen, die mit der Gondel heraufschweben.

Ein Dreikäsehoch mit Oma und Opa kommt uns entgegen, und weil wir höflich warten und Platz machen, läuft der doch glatt los, als seine Oma sagt, lauf zu. Christian ist beindruckt, wie der kleine Mann mit seinen kurzen Haxen nicht nur die paar Meter, sondern die ganze Traverse unterhalb der Kampenwand bewältigt hat. Chapeu! Leicht zu gehen ist dieser verblockte und batzige Abschnitt nicht, auch für uns nicht. Die üppige Vegetation jedoch, die würzig feuchte Luft und die rauhen Felsen beeindrucken uns sehr.

Beeindruckt war auch eine zottelige Dame in Begleitung, die wir schon von weitem schimpfen gehört haben, dass sie hier mit ihren neuen Schuhen - steigeisenfähig, wie wir dann sahen -, nicht gscheit voran kommt ... beindruckt von Christians Silber changierendem Laufshirt. Sie kann ihren Blick kaum von Christians Brust, äh, Shirt, abwenden. Wollen wir die Sache hier nicht weiter vertiefen, jedenfalls kam mir die fünfzehnminütige Pause grad recht. Immerhin geht es jetzt nochmal ein gutes Stück bergab, bevor der letzte Anstieg hinauf auf die Hochplatte ansteht.

Waren wir eben noch im Schatten und inmitten üppiger Vegetation unterwegs, so hat uns auf dem Weg hinüber zur Chiemgauer Hochplatte die Sonnwendsonne wieder fest im Griff. An der Piesenhauser Alm (1317m) tröpfelt kaltes Wasser in eine Kuhtränke. Ich halte mein Buff drunter bis es klatschnass ist, winde es über meinem Kopf aus und freue mich wie ein Schneekönig über die notwendige Kühlung. Klatschnass setze ich es dann auch auf. Dieses kleine Tüchlein ist Gold wert. Jetzt können die knapp 300hm Anstieg beginnen. Nach einem Gatter geht es mäßig steil hinauf. Noch kurz durch eine Latschengasse und wir sind oben. Geschafft! Wir stehen auf der Hochplatte (1587m). Höher geht es heute nicht mehr.

Wir blicken hinunter zum Chiemsee. Weil Christian und ich Segler sind - ich viele Jahre im Finn-Dingi am Chiemsee, Christian mit großen Booten viel am Gardasee -, vergessen wir kurz das Laufen und reden über das Schlimmste bei dieser Sportart, über das, was Segelboote antreibt und die meiste Zeit fehlt: Wind. Warten, warten, warten, bis der Schalter von Flaute umspringt. Meist auf Sturm. Dann geht auch nichts. Mehr als eine kleine Brise weht auch heute nicht über das bayerische Meer. Beim Trailrunning treiben uns die Beine an und das Adenosintriphosphat. Die Beine tun es jetzt nach knapp 20km immer noch, der Kopf sorgt dafür. Und ATP wird in unseren Zellen von kleinen Tierchen ohnehin unaufhörlich fleißig produziert. Schöne Symbiose: Wir füttern sie, und sie geben uns Energie.

Von der brauchen wir bergab ohnehin nicht so viel wie bergauf. Viel wichtiger ist es, auf den folgenden 800hm hinunter ins Tal die Konzentration hoch zu halten. Hier helfen uns Carbs, die wir trinkbar mit uns führen, meist in Form von in Wasser gelöstem Hafermehl. Heute aber haben wir, ohne uns vorher abgesprochen zu haben, auch Malto dazugemischt, das schneller ins Blut geht. Wir laufen los, erstmal wieder auf einem batzigen und mit Steinen übersähten Pfad, bis Christian abrupt stehen bleibt und guckt. Wir kommen aus dem Wald heraus und schauen auf eine Wiese, durch die sich der Pfad scheinbar endlos dahinschlängelt. Auch wenn dieser Trail nicht so soft ist, wie es auf den ersten Blick scheint, kurven wir ausgelassen den Hang hinunter.

Auch der restliche Downhill hinunter nach Mühlau macht Spaß. Einmal mehr finden wir das, wonach sich unsere Trailrunnerherzen sehnen, am Ende unserer Runde: Den Flow beim Herumsausen in den Bergen. Und so frage ich mich, ob wir nicht einfach immer nur das Ende einer Runde laufen sollten. Müde, aber glücklich und zufrieden kommen wir beim Auto an. Ich trinke erstmal Kaffee, esse dann eine Banane, danach Quark, bevor ich endlich mit Christian auf die tolle Runde anstoßen kann, mit alkfreiem Bier. Es war eine gelungene und landschaftlich reizvolle Tour, die allerdings nach Regen nicht zu empfehlen ist.

Hier der Track: Mühlau - Weitlahnerkopf - Kampenwand - Hochplatte 23km / 1830hm Trailrunning

Bis bald:
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