Trailrunning - Heimgarten - Buchrain - 13.12.15

Winni Mühlbauer - Trailrunning - 3. Advent Heimgarten - Rauheck - Buchrain


13.12.15
Advent, Advent - die Sonne ...
Winni + Christian

Brennt wäre übertrieben ausgedrückt. Aber am 13.12. das Kalendertürchen zu öffnen, hinauszuschreiten, in die Berge zu fahren und unter blauem Himmel bis auf 1800m Höhe flowige Trails laufen zu können ... was für eine Freude!

Da ich dieses Jahr noch nicht auf meinem Lieblingsspielplatz war, ergriff mich die Idee, am 3. Advent hinauf zum Herzogstand und über den Grat auf den Heimgarten zu laufen, und hinunterzulaufen zum Parkplatz, diesen souligen langen Downhill.

Christian mailte mir für den Herzogstand die Schneehöhen. 9cm. Sacklzement! Ich dachte, da liegt allenfalls Puderzucker. Und er mailte mir auch gleich seinen Plan B. Liefen wir auf gut Glück zum Herzogstand hoch und stellen fest, dass der Grat nicht laufbar ist, wäre es doof, nur wieder hinunterlaufen zu können. Wenn wir allerdings zum Heimgarten hoch laufen würden, könnten wir alternativ einen kleinen Ausflug ins Estergebirge machen, eine Überschreitung erstmal zum Rauheck und dann weiter zum Buchrain und Hirschberg, insgesamt eine an Kilometern reiche Tour. Dazu zeitlich gut planbar, weil der Rückweg gut einzuschätzen ist.

Noch auf der Hinfahrt hoffen wir aber, dass es mit dem Grat klappt. Auf der Landstraße nach Kochel schauen wir uns die Lage von unten an. Blauer Himmel, schon mal gut. Auf der Nordseite relativ viel Schnee. Schon mal schlecht. Wir biegen auf den Parkplatz der Seilbahn ein, der gut besucht ist, obwohl die Bahn noch nicht in Betrieb ist. Die Südseite sieht trocken aus. Ist sie aber nicht, wie wir noch erfahren werden. Gut also, dass wir unserem Plan B treu bleiben und hinauf zum Heimgarten starten. In drei bis vier Schichten gepackt geht es um 10:30 Uhr bei Kälte los, über eine Brücke, vorbei an einem Murenfang und dann hinein in den Bergwald und auf trockenen Trails hinauf, vom Fieber gepackt, jenes, dass die Trailrennerei auslöst. Entsprechend wird uns warm und wir entledigen uns der oberen Schicht. Christian von seinem blauem Shirt und ich von meinem gelben. Selbes Dinx, wie wir schmunzelnd feststellen. Christian mag Gelb bei Laufklamotten nicht. Ist wohl nicht wie ich im Mai geboren ;-). Ob gelb oder blau: Auf Fotos leuchten die beiden Farben, sind wir auch noch so klein abgelichtet.

Wir laufen über Wurzeln, springen Stufen hoch und machen Höhenmeter um Höhenmeter, gehen zwischendurch, ratschen, und landen schon beim ersten Aussichtspunkt im Schnee. So früh schon! Stahlblau und still ruht der sonst glitzernde Walchensee unten im Tal, dominant tritt im Hintergrund der Schafreuter hervor.

Ein ganzes Stück laufen wir über den wieder flacher gewordenen schneebedeckten Trail, dann bleiben wir stehen. Schauen weit nach oben. Hell leuchtet die Heimgartenhütte, auch der Gipfel ist zu sehen. Die Entfernung aber ist erheblich. Dann der Grat. Sieht von hier unten gut aus. Wir laufen weiter. Ein Trailrunner kommt uns entgegen. Zum Grat befragt meint er, runterfallen werden wir nicht, aber an vielen Stellen keinen Laufspaß haben. Er ist mit Spikes unterwegs. An vielen Stellen sei der Schnee zusammengetreten und eisig. Klare Ansage. Und schon ist er wieder weg. Enttäuscht sind wir nicht, im Gegenteil, wir freuen uns auf die Laufkilometer entlang der Kante nach Buchrain. Dass es dann noch viel schöner kommen sollte, als gedacht, ist einer Entscheidung geschuldet, die wir noch treffen werden.

Erstmal aber laufen wir im Schatten unterhalb des Rotwandkopfs (1518m) über den dicke mit Schnee bedeckten Trail; mein Inov8 Ultra Racer 290 zeigt mir zum ersten Mal, wie toll er sich in festen Schnee reinbeissen kann. Von diesem Schuh bin ich restlos begeister! Wir erreichen den Sattel mit der Ohlstädter Hütte und finden uns in winterlichen Gefilden wieder. Jetzt wird es steiler. Serpentine um Serpentine schrauben wir uns nach oben, auf dem überwiegend schneebedeckten Trail mit versteckten spitzen Felsen darunter. Endlich taucht sie auf, die Heimgartenhütte (1750m), von starkem Wind heimgesucht, aber schön in der Sonne liegend. Ein paar Wanderer sitzen am Boden und lehnen sich an die Wand. Wir hören, dass man am Gipfel fast davon fliegt. Ich ziehe mich um und genieße dabei den Weitwinkelblick von der Terrasse, auf der im Sommer meist kein Platz zu finden ist. Auf dem Grat hinüber zum Herzogstand zieht sich ein dünnes, kaum auszumachendes weißgraues Band.

Wir nehmen wie ausgemacht das Hintertürchen und laufen in die entgegensetzte Richtung den Weg hinunter nach Ohlstadt, biegen rechts ab und landen nach einem kurzen Anstieg auf dem Rauheck (1590m). Weiter geht es an der Kante entlang hinüber zum Buchrain (1465m). Auf halbem Weg ist ein Kreuz, weiß der Teufel, warum das hier herumsteht. Vom Buchrain genießen wir den Blick hinunter nach Ohlstadt, das in der späten Nachmittagssonne aussieht wie das Dorf einer Spielzeugeisenbahn.

Dann beratschlagen wir. Für den Hirschberg reicht die Zeit nicht mehr. Christian schaut aufs Display. Und schaut. Dann fragt er mich, was ich davon halte, wenn wir nicht, wie geplant, wieder hoch zum Heimgarten laufen und von dort den Downhill starten, der im oberen Bereich schwierig sein wird, sondern anders laufen. Mir ist alles recht, wenn es nur ein "richtiger" Weg ist, einer, der uns hinunter zum Walchensee bringt. Er beschreibt kurz, wo es langgehen wird und dass wir am Sattel bei der Ohlstädter Hütte rauskommen werden. Und schon sausen wir an der Kante entlang zurück zum Rauheck, von wo es nochmal ein kurzes Stückchen Richtung Ohlstadt geht. Christian bleibt stehen, guckt und deutet auf einen für mich erstmal nicht sichtbare Pfad, der ohne Spuren nach links abzweigt. ... und immer schöner und einsamer wird. Dieser Trail wird vielleicht im Sommer mehr begangen, heute aber war höchstens einer hier unterwegs. Mal ist seine Spur da, dann wieder weg, wie Christian der Trapper bemerkt. Sanft geht es einen Bergrücken im tieferen Schnee hoch, und auf der sonnezugewandten Seite wieder runter, der Hang von schmalen Schneelinien durchzogen - Kokser hätten ihre wahre Freude hier. Ich bin auch ohne high. Frei und unbeschwert durch die Natur zu sausen ist Droge genug. Ich denke, ich spreche da auch für meinen Laufpartner, ohne den ich solche Trails nicht laufen würde. Viel zu früh, was den Laufspaß anbelangt, erreichen wir den Sattel, was den Sonneuntergang betrifft aber just in time. Wir nehmen den kurzen Gegenanstieg in Angriff und dann geht es flowig und geschwind den Downhill hinunter zum Parkplatz.

Und endlich wissen wir, was sich hinter dem Türchen des 13.12.2015 unseres Weihnachtskalenders verbarg. 17,5 Kilometer Trampelpfadlaufen an einem wundeschönen 3. Adventstag, der uns dazu 1250 Höhenmeter bescherte.


In the meantime: Gute Laune-Musik für den kommenden Trail: The Stanfields - Hard Miles

Blick vom Heimgarten 3. Advent 2015

Trailrunning - Heimgarten - Buchrain - 13.12.15

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