Von der Eng zum Steinfalk

Winni - Karwendel - 7.9.16 - Eng - Falkenhütte - Steinfalk - Mahnkopf - Eng (Zum Vergrößern einmal draufklicken)


7.9.16
"oh, the land of
an unclouded sky"
Winni + Christian

Die Mautstelle ist passiert und wir fahren unten entlang, wo wir vor zweieinhalb Wochen oben entlang unterwegsTrailrunning: Vom Kompar zur Fleischbank waren. Es hat 8 Grad, ein Hauch von Winter. Um 9:20 Uhr laufen wir los, erstmal geht's durchs Eng-Dorf. Anders als im Oktober, wo es eher einem Museum gleicht, rührt sich heute was: Kühe laufen herum, zahlreicher als Besucher. Dächer werden winterfest gemacht, das Heu wird in die Scheunen gefahren. Die Sonne wärmt dieses Fleckchen jetzt am frühen Morgen schon und uns dazu. Kein Wölkchen weit und breit, was für eine Wonne! Wir laufen den Südhang hoch, gewinnen rasch an Höhe und erreichen das Hohljoch (Mehr zum Anfang dieser Tour hier: Falkenhütte - Mahnkopf - 2.10.15). Der Wind, den wir hier erwartet hatten, blieb aus. Grandios der Blick in die von Felsen beherrschte Welt, die senkerechten Lalidererwände.

Die Wände. Dieses düstere, bizarre 800 Meter hohe Bollwerk, das nur noch selten Finger spürt, die sich nordseits in den Fels krallen, selten spürt, wie Haken in den bröseligen Kalkstein getrieben werden, nur noch selten das Klappern und Klimpern der Karabiner am Gurt hört oder die Rufe der Seilschaften, dafür beobachtet, wie Wanderer vom Spielissjoch hinüber zum Hohljoch wechseln, meist im Schatten, oder andersherum zur Falkenhütte, auf dem 2,3 Kilometer langen Lalidererweg mit seinen gut 100 Höhenmetern, übersäht mit Steinen und Felsbrocken, über die hinweg Mountainbiker tänzeln, oder, so wie heute, zwei Trailrunner.

Christian und ich laufen den breiten Wanderweg hinunter über grobes Gestein und beginnen das Spiel Sonne fangen, denn noch scheint sie auf die zweite Hälfte dieser Etappe, laufen im Flow, kurven um größere Felsstücke, laufen bald in der Sonne, bis wir plötzlich stehen bleiben. Vorsichtig bewegen wir uns auf Zehenspitzen weiter. Direkt am Weg hinter einem großen Felsen grast eine Gemse. Wir schauen ihr zu, wie sie sich unbekümmert und langsam zurückzieht, und machen uns dann auf, die 100 Höhenmeter wieder hochzulaufen zum Spielissjoch, über dem die bekannte Falkenhütte (1848m) mit ihren schindelbedeckten Wänden thront. Es ist nicht viel los. Die Übernachtungsgäste sind an diesem Traumtag wohl alle unterwegs. Wir machen kurz Rast und uns dann auf zum Ladizköpfl (1921m), die erste Erhebung hinüber zum Mahnkopf und Steinfalk, laufen den Singletrail unterhalb auf der Westseite. Ein Trail, der es in sich hat. Mal ein wenig ausgesetzt, mal mit hohen, wurzeligen Stufen, nach Regen batzig und glitschig, jedenfalls ganz anders, als ich ihn mir vor einem Jahr vorgestellt hatte, als ich vor dem zahmen Ladizköpfl stand. Heute aber war er trocken, und wir kommen gut voran.

Bald erreichen wir den Sattel, von dem aus es sehr steil zum Mahnkopf (2094m) hoch geht. Den aber nehmen wir erst auf dem Rückweg mit und laufen unterhalb weiter in Richtung Steinfalk (ausgeschildert), auf einem Singletrail, so schön wie der, der hinter uns liegt, aber mit noch mehr Abwechslung und noch besserer Aussicht auf die höchsten Gipfel des Karwendels, versinken ein paar hundert Meter im Grün, tauchen wieder auf und landen im Himmelblau.

Das Foto oben rechts, von Christian geschossen, diese Komposition in Grün und Blau, drückt für mich aus, was Trailrunning ist, und was in Worten nur schwer zu beschreiben ist. Jedenfalls ist es eine Herzensangelegenheit; und unsere Herzen schlagen höher, auch dann, wenn wir stehen bleiben.

Auch der schönste Trail geht mal zu Ende und wir landen auf dem hinteren Teil des Sattels zwischen Steinfalk und Mahnkopf. Hier beginnt der sehr steile Aufstieg zum Steinfalk. Der Gipfel ist nur für Kletterer mit Helm, da er sehr bröselig und zudem ungesichert ist. Wir gehen nur hoch bis zum Ende des Grashangs, setzen uns dort windgeschützt neben den Steig und packen unser Mittagessen aus. Das übliche 3-Gänge-Menü mit Blick auf die Welt von oben. Schön ist es hier. Einfach nur schön! Auch der Blick auf unseren Rückweg, der uns über den Mahnkopf (2094m) führen wird.

Die ersten Meter hinunter nach einer längeren Pause gehen gewohnt ungelenk, dann aber kommen wir ins Rollen und erreichen den weglosen und von Kuhklauen perforierten Sattel, in dessen Senke es morastig ist und die Schuhe entsprechend schmatzen, wenn man nicht aufpasst. Beim Anstieg hoch zum Mahnkopf orientieren wir uns links, der Aussicht wegen hinüber zum Gamsjoch und hinunter ins Laliderertal. Nach einem Plausch auf dem Gipfel mit zwei Sachsen kommt der nächste Downhill, für mich leider ohne Flow, denn dazu ist er zu steil und kantig. Um das Ladizköpfl geht es jetzt links herum, weit weniger spektakulär als auf der ostlichen Seite. Und schon sitzen wir auf der jetzt gut gefüllten Terrasse der Falkenhütte und genießen in der Sonne das goldgelbe Gebräu der Mönche.

Wir sagen der Hütte Servus und laufen vom Spielissjoch hinunter in den Schatten und drüben wieder hoch. Der steinige Weg dazwischen ist gut zu rocken und macht immer wieder Spaß. Mal in der Sonne, mal im Schatten geht es vom Hohljoch wieder in Richtung Eng, und am Ende zeigt mein Tacho 22km und 1650hm.

Gleich neben dem Parkplatz haben wir eine eiskalte Naturdusche entdeckt, und wie gekochte Eier lassen wir uns von ihr abschrecken und herunterkühlen. Mangels Badehose setzten wir uns mit ohne was gleich daneben auf die Handtücher und prosten auf einen weiteren tollen Tag an.

Hier der Track: Eng - Falkenhütte - Steinfalk - 22km

In the meantime Willie Nelson and Dyan Cannon, Unclouded day

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Von der Eng zum Steinfalk

Blick unterhalb vom Mahnkopf ins Hauptkarwendel


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