Trailrunning - Karwendel: Hahnkampl - 13.10.15

Winni Mühlbauer - Trailrunning - 13.10.15 Karwendel: Eng - Hahnkampl - Lamsenjoch


13.10.15
2D-Planung
Winni + Christian

Endlich wieder zu zweit! Und froh war ich, mit Christian meinen Security Man dabei gehabt zu haben! Bei Nebel in München fahren wir los, hinter Lenggries reißt die Wolkendecke auf, das Karwendel erwartet uns mit blauem Himmel. Wir sind baff! Aber es ist kalt. Wir laufen uns warm in einer Runde durchs Almdorf Eng und tauchen dann ein in den Schatten auf dem steilen und nassen Trail, der den Weg zum Forstweg abkürzt. Der bringt uns bald zur Binsalm, die in der Sonne liegt und ein paar Gäste bewirtet. Denen wird ihr Bier und Braten kaum geschmeckt haben, denn die Luft ist mit übelster Jauche geschwängert. Wenige Meter weiter oben schießt der Bauer in hohem Bogen das braungrüne stinkende Zeugs in den Wald. Umweltverschmutzer!

Auf dem weiteren Weg in Richtung Lamsenjoch verfolgt uns dieser Gestank noch eine ganze Weile. Wir erreichen Wegweiser und Christian entscheidet, dass es links in Richtung Binsjoch weitergeht. Eine Tafel mit Hahnkampl gibt es hier nirgends; merkwürdig. Eigentlich wollte ich erst zur Lamsenjochhütte und auf dem Rückweg über das Hahnkampl laufen, bzw. erstmal gucken, wie der Berg aussieht, ob ... Er aber beharrte darauf.

Mal in der Sonne (was ausziehen), dann wieder im Schatten (das "was" wieder anziehen), führt uns der Trail nach oben, der bald immer steiler und schmieriger wird. Ein Wanderer von oben kommend meinte, heute morgen war es hier leicht vereist. Die Feuchtigkeit der Wolken der letzten Nacht spielten Winter hier. Jetzt weißt du, warum wir hier hoch laufen, rief Christian, und oben umdrehen und hier wieder runter, geht schlecht. Diese Option aber war ausgemacht. Ich verteufelte in innerer Zwiesprache einen Teil in mir, den, der diese Tour mit einer Wanderkarte geplant hatte.

Erstmal aber laufen wir den immer schöner werdenden Trail in reizvoller Felslandschaft nach oben, erreichen den Binssattel (1903m), bleiben immer wieder stehen und schauen in die Ferne - in die Weiten des Karwendels. Der gut zu laufende Trail auf dem Nord-Grat schlängelt sich durch Latschengassen und über felsige Stellen, und plötzlich baut sich der Gipfel vor uns auf, der schon gut besucht ist. Noch a bisserl laufen, dann a bisserl kraxeln, und wir stehen auf dem Hahnkampl auf 2080m. Über uns der blaue Himmel, kaum Wind. Glücklich und zufrieden setzen wir uns hin, packen wir unsere Fläschchen aus und stärken uns einmal mehr mit Hafermehl.

Der Blick in die Ferne ist fantastisch, auch der hinüber zur Lamsenspitze, und sogar der Blick in die Tiefe gefällt mir. Von hier aus. Ganz und gar nicht gefällt mir der Blick auf den Weg vor uns, der Kammsteig nach Süden. Der Name Hahnkampl wird dem weiteren Verlauf der Gipfelüberschreitung gerecht (Foto auf hoehenrausch.de). Christian grinst und fragt, wie ich nur eine solche Tour planen konnte, wo ich doch Angst vor ausgesetzten Stellen hätte.

Ja, wie kam ich auf diese Runde? In dem neuen Wanderführer Karwendel aus dem Hause Rother suchte ich eine Ecke, die ich noch nicht kenne und landete bei der Lamsenjoch-Tour. Die aber ist mit gut 11km nicht wirklich lang. Alternativ war gestrichelt der Weg dorthin über das Hahnkampl eingezeichnet, und das fand ich toll. Ein Gipfel auf dieser Tour macht die Sache komplett. Selbstverständlich habe ich mich auch im Internet schlau gemacht und gelesen und Fotos gesehen, dass es da eine heikle Passage gibt, die aber durch ein Drahtseil entschärft ist. Wie heikel, ahnte ich hier aber noch nicht. Die Passage, die auf dem Foto zu sehen ist, ist es nicht, sowas geht ja noch.

Eine Weile genießen wir noch den Ausblick, dann machen wir uns auf den Weg nach Süden. Süden ist jetzt nicht passend, denn wenn Aktienkurse Richtung Süden gehen, ... besser, ich lasse das jetzt. Ich gehe voraus, gucke nur auf den schmalen Gratweg vor mir, während Christian redet und redet und mir pausenlos Fragen stellt. Aber bald durchschaue ich ihn. Er grinst. Er will mich ablenken, und das gelingt ihm auch. Jetzt, Tage danach, hätte ich gerne gewußt, wie tief es da links und rechts hinuntergegangen ist. Wenn jetzt jemand meint, ich hätte Höhenangst, den kann ich beruhigen: es ist nur Tiefenangst. Immer wieder bleibe ich stehen, um zu sehen, wie lange das noch so weitergeht. Lang! Erstmal kein Ende abzusehen. Ich atme tief durch, gehe weiter und erreiche ein felsiges steiles Stück hinunter und das erste Drahtseil, von dem ich dachte, es sei auch das letzte. Ich wunderte mich, denn so schlimm zum Hinunterklettern war die Stelle nicht. Nur das, was danach folgte, sah ich erst zu Hause auf einem Foto - auf hoehenrausch.de

Ich mach's kurz. Insgesamt ging es etwa 20m an Drahtseilen entlang, und am Ende wartete das heikelste Stück auf mich: Auf Schulterhöhe hing das Drahtseil. Dann muss man nur noch ein Bein ganz lang machen, um eine Felsstufe weiter unten zu erreichen. Soweit die Theorie. Christian, mein Security Man, riet mir, die Fußstellung zu wechseln. Bein lang machen ging nicht, also festhalten und kleiner Sprung auf die Stufe. Und dann gleich wieder nach oben. Mir gehst, so was brauche ich nicht oft! Spannend aber wars scho. Vielen Dank! Christian.

Was zählen nach so einem Abenteuer noch die gelaufen km und hm? Ein paar werden es aber noch, denn bald schon laufen wir im Schatten den traversen Wanderweg hoch zum Lamsenjoch. Ideal für Yoga, auch fürs Ratschen, und wenn wir morgen Muskelkater haben sollten, dann nur um den Mund herum. Und immer wieder blicke ich zum Hahnkampl, dem schroffen 2000er über dem Falzthurntal, der hier auf keinem Schild zu finden ist. In der Nachmittagssonne machen wir uns dann auf den Rückweg, und bald sitzen wir auf der Ladekante meines Avants, prosten uns mit alkfreiem Bier zu und finden: schee war's.

Jetzt muss ich nur noch lernen, mein neues Stirnband richtigherum aufzusetzen.

Auf youtube: Wackelvideo: Lola e Chelo em Hahnkampl
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