Trailrunning - Herzogstand-Heimgarten - 21.5.16

Winni Mühlbauer - Herzogstand-Heimgarten 21.5.16


21.5.16
Beletage mit packendem Tiefblick
Winni

Ganz hinten hob i no vier Parkplätze für di. Ona reicht ma, habi ehrm gsagt und mi gfreit. Allein der lustige Parkplatzticketfachverkäufer an der Talstation der Herzogstandbahn ist eine Reise an den Walchensee wert. Und ganz hinten war eigentlich ganz vorne, denn wenige Meter weiter lag der verstecke Durchschlupf zum steilen Pfad hinauf. Spät dran zu sein hat auch sein Vorteile, vor allem hier am Herzogstand. Der Parkplatz bekommt nach 12:30 Uhr die ersten Lücken, und je später man den Grat hinüber zum Heimgarten betritt, desto geringer ist der Gegenverkehr.

Der aber setzte schon auf dem ersten Abschnitt hoch zur Herzogstandhütte ein, wenngleich ich an diesem Bilderbuchtag mehr Verkehr erwartet hatte. Im Schatten laufe ich die ersten Höhenmeter hoch, erreiche ein flacheres Stück, das in der Sonne liegt, bleibe hin und wieder stehen und schaue hinunter zum leuchtend blauen Walchensee. Die Halbinsel Zwergern mit seinem Kircherl St. Margareth liegt langgestreckt und faul in der Sonne. Einen Trailrunner auf dem bewaldeten Katzenkopf mit seinen 70 Höhenmetern kann ich nicht ausmachen. Wie auch, die sind alle hier am Heimgarten und Herzogstand unterwegs. Traf ich früher nur ein oder zwei, waren es heute bestimmt zwei Dutzend. Der Grat zwischen den beiden Gipfeln hat sich zur Beletage gemausert. Weiter geht's, heute gemütlicher als sonst, oder ist es das Alter? Who cares! Alt ist man erst dann, wenn man Frauen hinterherjagt und sich nicht erinnern kann, warum.

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Alt werden, aber nicht alt sein.

In der Gerontologie wurde hierfür der Begriff der "funktionalen Lebensspanne"
geprägt, mit dem der Bereich des gesunden, aktiven und produktiven Lebens
umschrieben wird. Der Schlüssel zur Vergrößerung dieses Bereichs ist die Biochemie.
Mit ihr beschäftige ich mich mittlerweile seit mehr als einem Jahr, was mir ein neues
finanzielles Standbein ermöglichte: www.der-fettloeser.de. Wer jetzt meint, er kann
mich in die Pfanne hauen, der irrt.
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Jedenfalls genieße ich es sehr, diesen Pfad zum vierten Mal hoch zu laufen, nachdem ich 2015 diese Zweigipfel-Runde ausgelassen hatte. Ich entdecke viele neue Ecken und staune, dass es mehr leicht exponierte Stellen gibt, als ich erinnern kann. Vielleicht ist auch das Licht, denn die Sonne steht hoch, einen Monat vor Sonnwend. Ungewöhlich auch, dass jetzt Mitte Mai der Winter das Karwendel noch fest im Griff hat. Sogar der Schafreuter trägt noch eine weiße Kappe.

Ich erreiche die Rinne, springe über einen mageren Bach, laufe das relativ flache Stück in der Sonne weiter, bis mich steile Serpentinen zwingen, einen Gang zurückzuschalten. Bald tauche ich in den Schatten ein und der Weg wird batzig. Mein Trailroc bekommt hier Probleme. Feuchten. glatten Kalkstein mag er nicht, auch keine nassen Wurzeln. Einen ganze Weile geht es noch auf diesem aufgeweichten Pfad dahin, bevor ich über mir das Herzogstandhaus entdecke. Eine junge Dame in Begleitung kommt mir entgegen, mit hauchdünnen Stoffballerinas in Zartrosa. Was ich mir in diesem Moment denke, könnt ihr euch sicherlich denken. Ach, könnte ich nur ihr Prinz sein und sie auf meinen Armen tragen, ist es nicht, dazu war sie mir zu üppig gebaut.

Die Terrasse des Berggasthauses ist rappelvoll, kein Plätzchen mehr frei. Es geht auf zwei Uhr zu, und da sind die meisten schon wieder abgestiegen, wenn sie denn aufgestiegen waren. Gäbe es eine Steigerung für das bunte Treiben der Massen hier oben, dann lautete die: Wank, Wänker, Herzogstand. Aber so ist der Berg. Er war nicht nur der Lieblingsberg König Ludwig II, er ist der Lieblingsberg vieler. Die Fahrpreise mit der Herzogstandbahn sind familienfreundlich. Mama, Papa und Kind bis 15 schweben für 26 Euronen hinauf und wieder runter. Oben kann man noch eine Minibergtour machen und am Gipfel weit, weit gucken.

Nach einer kurzen Pause laufe ich weiter, erstmal den Laufsteg unterhalb des Martinkopfs entlang in Richtung Gipfel, schaffe es, ohne jemand anzurempeln bis zum Anfang des felsigen Pfads, der den Halbschuhtouristen gewogen ist, da er sie in harmonischem Zickzack sanft nach oben führt. Nicht zu kurz kommt die Aussicht, die hier Schritt für Schritt gegenwärtig ist, egal ob man geradeaus läuft oder stehenbleibt und sich umdreht.

Ich erreiche den Abzweiger zum Grat. Der ist denen vorbehalten, die pädagogisch belehrt es sich zutrauen, den Einstieg hinunter zu wagen: Auf Trittsicherheit und Schwindelfreiheit wird hingewiesen. Ja, der Pfad geht hier hinunter, auch von der anderen Seite, dem Heimgarten aus. Dort sind es gleichmal 200 Höhenmeter, heute über Schneereste. Dass dieser Grat sich weit unterhalb der beiden Gipfel in leichtem Auf und Ab dahinschlängelt, macht auch seinen besonderen Reiz aus, jedenfalls für mich. Hat man den Abstieg vom Herzogstand über die seilversicherten Schrofen erstmal hinter sich gelassen, wird man kaum mehr umkehren wollen, zu faszinierend ist diese von Latschen gesäumte Himmelsleiter - die Beletage mit packendem Tiefblick.

Das Laufen auf diesem Grat ist für mich eine Gratwanderung. Kleine Stolperer kommen auf Trails schon mal vor, auch Stürze. Die meisten gingen bei mir glimpflich aus. Zweimal allerdings landete ich im Graben. Der erste Sturz war harmlos, da es nur einen Meter hinunter ging, beim zweiten machte ich einen Purzelbaum und griff dabei geradenoch eine Latsche. Das war beim ZUT 2014 (BT, 36km), auf den ersten 100 Metern des Downhills nahe der Aussichtsplattform Alpspixx. Das Gefühl, neben dem Pfad zu landen, ist mir also bekannt. Es zu verdrängen, gelingt mir nicht immer. Hier am Grat schon gar nicht, jedenfalls nicht auf der ersten Hälfte. Hier bleibt es oft eine Gratwanderung, buchstäblich. Heute schon deshalb, weil auch zu fortgerückter Stunden viel Gegenverkehr herrschte. Zudem: Warum auch Laufen! Zu schön ist die Aussicht auf beiden Seiten hinunter und der Blick zurück zum Herzogstand.

Ich erreiche die kreuzgeschmückte Gratkuppe und laufe südseitig an ihr vorbei. Die zweite Hälfte liegt vor mir, und die nun ist super zu laufen. Der Pfad wird links und rechts von Latschen gesäumt und es gibt nur noch wenige exponierte Stellen. Noch vor dem tiefsten Punkt stöpsel ich mich wieder an meinen Walkman und bereite mich auf die 200 Höhenmeter nauf zum Heimgarten vor. Der Weg am Rand felsiger Abbrüche wird steiler und nasser, und bald hat mich der Schnee eingeholt, den ich schon hinter mir geglaubt hatte. Ich genehmige mir eine Packung von dem Zeux, kühle Kopf und Arme und steige weiter hinauf, mal kletternd, mal ruschend. Und endlich der schönste Moment: Oben angekommen drehe ich mich um und schaue hinunter auf den zurückgelegten Weg und hinüber zum Herzogstand, der tiefer liegt als der Heimgarten. Zudem freue ich mich auf den etwa eineinhalbstündigen Downhill hinunter zum Walchensee, den ich sehr mag, da er von allem etwas zu bieten hat: erstmal steil und felsig, gefolgt von einem willkommenen Gegenanstieg, an dessen Ende ein Hang südwärts zu queren ist, bevor es soulig auf einem schmalen felsigen Grat in vielen Kehren weiter runter geht.

Erstmal aber befinde ich mich auf dem längeren Gegenanstieg in der Ostflanke des Rotwandkopfes nahe der Ohlstätter Alm. Kaum laufe ich die ersten hundert Meter auf diesem schmalen Pfad hoch, spüre ich eine gewisse Unruhe hinter mir. Da war er, der wilde Haufen, den ich schon vom Heimgartengipfel aus irgendwo weit unten habe rumsausen sehen. Fünf, sechs junge Burschen um die zwanzig drängelten sich hinter mir und blödelten lauftstark herum, wahrscheinlich, um auf sich aufmerksam zu machen. Oder auch nicht, denn ausgelassen zogen sie in einem Affenzahn an mir vorbei, so schnell, dass ich nichtmal ausmachen konnte, was für Schuhe sie trugen. Laufklamotten jedenfalls hatte sie keine an. Das zeigt einmal mehr, dass es nicht viel braucht, um Spaß am Laufen in den Bergen zu haben. Von den vielen Trailrunnern, denen ich heute begegnet bin, waren viele minimalistisch unterwegs. Warum statte ich mich eigentlich immer so aus? Auf der anderen Seite ist es nicht schlecht, das ein oder andere Utensil dabeizuhaben, auch für den Notfall. Es gibt ja auch nur den jugendlichen Leichtsinn. Von einem alterlichen Leichtsinn habe ich noch nichts gehört. Oder ist das der Starrsinn?

Gesehen habe ich die Meute nicht mehr, waren wohl schon ein Bierchen zischen, während ich auf dem schönsten Teil dieses Downhills unterwegs war. Wiedermal ist es spät geworden, aber die Bummelei hat sich gelohnt. Am Abend fand in Berlin das Endspiel um den DFB-Pokal statt, entsprechend leer war die Autobahn.

Bis bald.

In the meantime: Charlie Robison ~ Feelin' Good

Und dazu ein Filmchen vom Grat: GoPro Hike: Heimgarten/Herzogstand

Hier geht es zu einem >>weiteren Bericht von mir zum Herzogstand/Heimgarten

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Blick vom Heimgarten Links Kochelsee, rechts Walchensee mit der Halbinsel Zwergern.

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