Trailrunning: Bettlersteig - Kaisertal

Winni Mühlbauer - Trailrunning - Bettlersteig - Kaisertal - 27.9.18


27.09.18
Unterwegs im Land der Bettwanzen
Winni

Für den Gegenwert einer Wiesnmaß gondel ich mit dem Kaiserlift (Sessellift) von Kufstein ins Naturschutzgebiet Kaisergebirge. Im Schatten des frühen Morgens geht es gemächlich dahin. Nach der Mittelstation, als der Blick gerade tief hinunter geht, höre ich was klappern. Ganz in der Nähe. Ich schaue besorgt auf den Sessel. Nichts. Dann wieder. Es klappert, lauter und schneller. Hoppla, es sind meine Zähne. Das erste Frieren nach diesem Ausnahmesommer. Ich freue mich auf oben, auf die Sonne, auf Bewegung, vor allem aber, dass ich wieder über Trails flitzen kann.

Mein erstes Ziel ist der Gamskogel zwischen Wilden und Zahmen Kaiser. Höher geht es heute nicht hinauf, auch wenn die Runde anders geplant war (dazu später mehr). 21,6km sind es heute geworden, dazu 600hm im Aufstieg und 800hm im Abstieg; Auf uns Ab's, die es teilweise in sich hatten. Ein durchgehendes Trailrunning war auch heute nicht möglich, doch der Laufanteil deutlich höher als bei meinen letzten Touren.

Oben am Brentenjoch (1256m) ausgestiegen ging es kurz über einen Wirtschaftsweg in Richtung Kaindlhütte, bevor mich linker Hand ein Trail aufnimmt und im lichten Wald hinauf zum Gamskogel (1449m) bringt. Nach drei Kilometern stehe ich auf diesem Gipfelchen mit Bänken und ahne, welche Aussichten ich heute noch genießen darf. Noch immer geht es in Richtung Kaindlhütte direkt auf den Wilden Kaisers zu. Der Trail aber, der hinauf zahm war, wird runter steil und rassig. Ich komme aus dem Wald heraus, sehe vor mir einen Pfad, der sich an einen Hang schmiegt und verfolge seinen weiteren Verlauf um die Kurve herum. Endlich was zum Gasgeben! Dann Gummigeruch. Nach Vollbremsung. In der nicht einsehbaren Kurve zeigt der friedliche Trail seine Krallen: Ein leckerer Abbruch. Mir bleibt die Spucke weg. Denke an die beiden älteren Damen hinter mir, die auf ein Käffchen zur Kaindlhütte (1318m) wollen.

Diese ist nach einem kurzen Anstieg unten rechts schon zu sehen. Ich aber laufe am Abzweiger nach links zum Bettlersteig, der mich hinüber und dann hinunter zum Anton-Karg-Haus (829m) am Ende des Kaisertals bringen wird. Da es im Detail zu lange dauern würde, diesen anspruchsvollen Steig, der zwei größere Schluchten und gut acht Bäche durchquert, zu beschreiben, nur soviel: Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind notwendig. Zunächst geht es sehr steil über Treppen und viele Stufen hinunter. Es folgen flachere Passagen, die laufbar sind. Dazwischen immer wieder Abschnitte, die mit Balken und Brettern stabilisiert sind. Bei Trockenheit kein Problem. Den ganzen Verlauf über bleibt der Steig spannend und abwechslungsreich, und gibt immer wieder den Blick auf ein paar Kaisergipfel frei. Vorbei geht es an einem alten Holzhaus mit der Hausnummer Kaisertal 1, der Bettlersteig aber ist immer noch nicht zu Ende und wartet mit weiteren Überraschungen auf. Eine dicke kommt noch kurz vorm Anton-Karg-Haus: Seilgesichert geht es auf eine Ecke zu, die über einen Fels führt. Schaut aber von Weitem schwieriger aus, als es ist. Dank dreier Eisenbügel kommt man locker auf die nächsten Bretter. Kann man sogar laufen, wenn man verrückt genug ist: Trailrunning im Kaisertal - Bettlersteig (siehe Minute 0:50).

Weiterhin laufe ich den schmalen, sich steil nach unten windenden Pfad hinunter und erreiche nach 10km das Anton-Karg-Haus. Wunderschön am Talende gelegen mit Blick auf Totenkirchl, Predigtstuhl und Kleine Halt des Wilden Kaiser. Leider schließt das ehemalige Hinterbärenbad, wohl auch aufgrund der Bettwanzenproblematik. Die Hälfte der Strecke liegt hinter mir. Vor mir ein weiterer Aufstieg zur Vorderkaiserfeldenhütte, wenn man mich denn ließe. Ich überquere den Kaiserbach, laufe ein Stück hoch, lande auf einem Forstweg und stehte bald vor dem geplanten Pfad, der leider gesperrt ist (Zu Hause habe ich dann die Info gefunden). Schon auf dem Bettlersteig hatte ich statt Steelguitars zwei Stihl-Motorsägen gehört. Auch wenn ich im Moment nichts höre, gebe ich mich geschlagen und laufe den Wirtschaftsweg weiter, der mich auf den Kaisertalweg in Richtung Kufstein bringt.

Im Nachhinein allerdings finde ich es gut, dass meine Planung hinfällig geworden ist, weil ich mich inzwischen mit der Vorderkaiserfeldenhütte - auch hier gab es Bettwanzen -, näher beschäftigt und gesehen habe, dass es oberhalb zwei Gipfel gibt - die Naunspitze und das Petersköpfl. Und etwas weiter noch die Pyramidenspitze. Wahrscheinlich geht meine nächste Tour wieder ins Kaisertal. Ich laufe und laufe ohne groß zu schauen, denn zum Sehen gibt es hier kaum etwas, den langweiligen Kaisertalweg weiter talwärts, überhole Familien mit Kinderwägen und Paare mit Hunden an der Leine. Es gibt nichts, was anstrengender ist, als so bergabzurennen. Dann eine gelbe Tafel. Yep! Zeigt rechts auf einen Pfad: Antoniuskapelle und Hinterkaiserhof. Mein Herz blüht wieder auf, frisches Blut zischt in die Beine. Endlich wieder einen Trail unter den Füßen und Baumkronen über mir. Leider nicht allzu lange. Nach insgesamt 15km spuckt mich der Wald wieder aus und ich ereiche den Hinterkaiserhof, den geschichtlich ältesten Hof im Kaisergebirge, der zu einer urigen Jause einläd. Freue mich heute schon auf ein Glas Milch dort an diesem schönen Platzerl und die Aussicht auf den Gamsberg und das Totenkirchl.

Heute mache ich nur ein Foto und laufe weiter zur nahen Antoniuskapelle. Das nächste Fotomotiv. Auf dem Weiterweg zum ausgeschilderten Pfandlhof treffe ich wieder auf den Kaisertalweg, der hier eingebettet ist in sanft abfallende Almenhänge. Gut, dass der Pfandlhof (780m) heute Ruhetag hat, denn eine Tafel vor der Türe verheißt Tiroler Spezialitäten. Mein Gaumen jammert ein wenig, erst recht, als ich auch am Berggasthof Veitenhof ungebremst vorbei laufe. Immer nur das depperte Hafermehl aufgelöst in Wasser, mault er. Kannst dir ruhig mal was Deftiges gönnen. Ja, das nächste Mal, wenn ich hier mal wandere. Also nie! Oder in zwanzig Jahren. Noch bin ich Trailrunner.

Ganz im inneren Dialog versunken laufe ich weiter, bis ich linker Hand eine Tafel sehe, die auf eine Sehenswürdigkeit hinweist: Die Tischofer-Höhle, eine Hyänenhöhle. Die schaue ich mir natürlich an und laufe die 0,4km und 50hm steil hinunter und dann wiede hinauf. Eine weitere Tafel bei der Höhle "Theater-Hütte" ignoriere ich. Wieder oben laufe ich schnurstracks weiter Richtung Kufstein und frage mich langsam, wie ich wieder zurück zum Kaiserlift komme. Ein Bankerl. Ein letztes Mal ärgere ich meinen Gaumen und trinke den Rest der Hafersuppe. Dann hole ich meine Lesebrille und eine Fotokopie heraus. Der Weg hinüber zum Kaiserlift geht hinunter ins Bachtal bei den Tischhofer-Höfen in Richtung Theater-Hütte. Zurück, marsch, marsch.

Nochmal wird der Weg spannend. Erstmal geht es steil hinunter zum Bachgrund, zuletzt über eine steile Treppe. Über den Kaiserbach führt eine Rohrbrücke mit nur einem Geländer, und drüben geht es wieder steil über eine Treppe hinauf. Lustiger Wachmacher zum Ende dieser Runden. Oben dann geht es vorbei am Riesen Ofen (?) in Richtung Theater-Haus (geschlossen). Kurz davor ist der Theaterhüttenspielplatz. Wer kurz vorm Verdursten ist, findet hier vor dem Zaun einen Wasserhahn. Beim Theater-Haus geht es über die Teerstraße und dann die Skipiste hinunter. Etwas verwirrend dann die nächsten Wandertafeln. Eine zeigt nach links, die andere nach rechts. Zum Parkplatz aber geht es geradeaus weiter (in einem Linksbogen). Eine Minute später ist der Parkplatz schon zu sehen.

Auch wenn es nicht die geplante Runde geworden ist, mir hat sie viel Spaß gemacht, war ich doch das erste Mal wieder im Kaiser seit meiner Kindheit. Zudem: Wie oft haben Christian und ich auf diese wilden Zacken geguckt, wo immer dieses massige Gebirge in der Ferne zu sehen war, und gesagt, da schau, der Kaiser!

Bald wieder von dort:
In the meantime: Judas Priest - No Surrender (Official Video)

"Chasing a dream as I go higher
Playing it mean, my heart's on fire
Living my life, ain't no pretender
Ready to fight with no surrender"

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