Trailrunning: Altmühltal - Kipfenberg - Arnsberg

Winni Mühlbauer - Trailrunning - Altmühltal Kipfenberg - Arnsberg - 11.4.18


11.04.18
... noch Rest-Kilometer übrig.
Winni

Autobahn Ingolstadt, Denkendorf raus und 6 Kilometer nach Kipfenberg. Um 10 Uhr ist das Pferd gesattelt und startklar. Hafermehl dabei. Schon aufgelöst. Geplant ist der Schlaufenweg 16, der sogenannte Mühlenweg, 26km lang mit gut 1000hm. Aber kaum losgetrabt, hat sich das Pferd vergaloppiert. Oder besser der Esel. Wobei ...

Es hieß, sowohl der 200km lange Panoramaweg durchs Altmühltal als auch die vielen Schlaufenwege seien gut mit Wegmarkierungen versehen, links und rechts. Ich laufe hoch zur Burg und von dort zu einem großen Steinblock, der den geografischen Mittelpunkt Bayerns markiert. Hier sah ich für lange Zeit das letzte Täfelchen mit der Nr. 16. Was ich sehe, ist, dass ich auf dem Limesweg unterwegs bin. Als ich vor einem Jahr mit Christian hier war und wir eine sensationell tolle Runde bei Hitze gelaufen sind, sind wir anfgangs auch am Römerturm vorbeigekommen. Ich wähnte mich also richtig. Nur: damals hatte Christian supergut navigiert, und bald sind wir von der Forststraße runter, in den Wald eingetaucht und auf feinen Trails gelaufen. Das konnte ich heute nicht, zu leicht kann man sich verlaufen. Also immer schön geradeaus den Limesweg weitergaloppiert, erstmal bis Gelbelsee, dann mit schönster Aussicht auf die Autobahn nach Denkendorf. Einen Römerturm gibt es heute nicht.

Ich fange an zu packen: In ein Beutelchen stecke ich eine Portion Frust.

Langsam wird es Zeit, mich wieder westwärts zu orientieren. Riesen weisen mir den Weg, windige widerliche Windräder von Altenberg. Ich lande auf einer Straße. Angst, überfahren zu werden, habe ich keine, hier scheint es keine Autos zu geben. Eine Kreuzung. Rechts sind es 2km nach Kipfenberg. Auf der anderen Straßenseite sehe ich ein Schild "Wanderparkplatz". Prima. Da gibt es sicher eine Wandertafel. Ich laufe nach links, laufe und laufe ... doch den Wanderparkplatz gibt es heute nicht. Menschen auch nicht. Links im Wald sehe ich paralell zur Straße einen Weg. Er entpuppt sich als struppiger Forstweg, kaum laufbar. Dann endlich ein Traktor auf der Wiese. Eine Frau am Steuer, freundlich und hilfsbereit. Ich sei auf dem Weg nach Krut. Auch wenn ich nachDENKE, habe ich keine Ahnung, wo das ist. Beide haben wir Zeit. Irgenwann erwähnt sie die Arndthöhle. Damit kann ich was anfangen. Sie erklärt mir den Weg. Zurück und dann einen Weg hoch, der anfangs geteert ist. So einen finde ich, aber keine Schildchen. Dennoch laufe ich den Forstweg hoch und hoffe, richtig zu sein. Nach einem Kilometer dann die Beschilderung. Mitten im Wald! Die Höhle allerdings ist heute wohl auch nicht da, jedenfalls finde ich keine.

Mein Beutelchen mit Frust wird schwerer.

Ich laufe weiter und erreiche einen weiteren Abzweiger. Links Schambachtal, rechts Wacholderheide. Schambach lasse ich aus, dafür bin ich heute schon zu viel gelaufen. Ich laufe rechts weiter und erreiche über diesen Höhenweg das Schloss Arnsberg. Kurze Besichtigung des Innenhofs mit Hotel und Gastronomie. Schöner Ausblick hinunter zur Altmühl. Dann ein Schild: Kipfenberg, Michelsberg 2 Kilometer. Das Frustpäckchen drückt, wenngleich ich mich über die bisher gelaufen Kilometer freue. Ich nehme die Einladung "Kipfenberg" an. Der Wald wirkt herbstlich. Pollen sind auch keine unterwegs. Ich erreiche den Michelsberg. Endlich bin ich auf Trails unterwegs, die den Namen verdienen. Die führen oben an der Kante des steil aufragenden, etwa 120 Meter hohen Felsmassivs entlang, mit tollen Blick hinunter auf die Häuser von Kipfenberg, die wie gemalt im Schoß des Altmühltals liegen.

Ich will ein wenig Frust abladen, doch das Beutelchen ist weg, einfach weg.

Der Pfad wendet sich zur Ostseite des Massivs. Immer wieder bleibe ich stehen, trete nahe an die Kante und schaue. Schaue hinunter ins Birktal, folge der Straße, folge den Felsensäulen, die gegenüber wie die Fundamente des Götterpalast Valaskjalfl nach oben streben. Man muss wohl weit gereist sein, um das bestaunen zu können. Ich erreiche den steilen Ostabstieg, enge Serpentinen mit Geländern gesichert. Auf halbem Weg geht es rechts weg und ich zürne: Mühlenweg, lese ich da, sehe die 16 und 3 Orts- und Entfernungsangaben. Hier her hätte ich gemusst. Nur hat mir das beim geografischen Mittelpunkt Bayerns kein Schwein verraten. Schweine gab es nämlich heute auch keine. Als ich nach dem Ostabstieg unten ankomme, zeigt mein Tacho 22 Kilometer. Links, vielleicht 1 Kilometer entfernt, steht mein Auto. Rechts erscheint mir ein Engel. Schwebt vom Himmel herab, über einen steilen Trail. Quert die Straße und verschwindet auf seinem MTB so lautlos, wie er gekommen war. Der Engel. Es war ein weiblicher. Ich gehe dorthin, wo sie heruntergekommen war, sehe ein gelbes Täfelchen mit einer 3 und lese: Kressensteig, 4,7 km

Da mein Kopf heute auf 26 Kilometer eingestellt war, spüre ich, dass ich noch Rest-Kilometer in den Beinen habe.

Steil geht es den bewaldeten Hang unterhalb der Felsensäulen nach oben. Berauscht von diesem Pfad spüre ich neue Kraft in den Beinen und laufe den Anstieg hoch. Auch hier ist es herbstlich, wie schon gegenüber, die Luft klar, und mir kommt es vor, als liefe ich eben erst los. Oben geht es mal an der Kante entlang, mal durch den Wald, und auch hier bleibe ich immer wieder stehen und fasse es kaum, dass ich am Ende meines heutigen Laufs doch noch ankommen durfte, wofür mein Herz schlägt. Dann der Hammer. Dieser phantastische Trail endet genau gegenüber dem Tor der Burg Kipfenberg. Da, wo ich losgelaufen bin.

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Tipp: Wer den Mühlenweg laufen will, sollte, nein muss diesen Kressensteig einbauen. Schöner geht's kaum.
Er bringt euch hinunter zur Straße und zum Ostaufstieg des Michelbergs, und damit wieder auf den Mühlenweg
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Unterhalb der Burg in Kipfenberg angekommen, erinnere ich, dass hier in der Nähe die Karstquelle "Grüne Topf" sein muss. Mein Tacho zeigt 27km. Eine Frau quert die Gasse mit Friedhofsblumen in der Hand. Wir fangen an zu plaudern. Ich erzähle ihr von meiner Runde. Sie guckt ungläubig. Blickt auf den Nuckelschlauch der Trinkblase und fragt, was ich da am Rücken mit mir rumschleppe. Ob das ein Sauerstoffgerät sei. Sie kam aus Riedenburg. Da muss ich mal hin, da muss es lustig zugehen. Zum Grünen Topf geht es da lang, es dürften eineinhalb Kilometer sein. Hin und zurück drei, rechne ich schnell, grinse und mache mich auf den Weg. Wieder ein Trail, wieder der Mühlenweg.

Als ich beim Auto ankomme, habe ich exakt 30,03 Kilometer und etwa 1000 Höhenmeter zurückgelegt. Nicht so, wie geplant, aber die Freude über den unerwartet schönen Trail am Ende der Runde und meinen ersten 30er in diesem Jahr, ist riesig. Zudem ist es nicht verboten, nochmal hierher zu kommen.

Bis bald.
In the meantime: Zur Burg führt die Brücke (Richard Wagner - Rheingold Finale)

Zur Burg führt die Brücke
leicht, doch fest eurem Fuss:
beschreitet kühn ihren schrecklosen Pfad!


July im Flow:
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Blick vom Michelsberg


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