Trailrunning - Wildalpjoch - Käserwand - Soinsee

Winni Mühlbauer - Trailrunning - 4.7.16 Wildalpjoch - Käserwand - Mitteralm - Soinsee - Lacherspitze


4.7.16
Natürlich auf Asphalt
Winni

Ich bin unterwegs auf dem Grat zum Wildalpjoch, laufe langsam über eine von Latschen gesäumte Kuppe, befinde mich kurz vor dem letzten kleinen Anstieg und denke, wo zum Geier ist der Gipfel?

Wieder habe ich die Ausfahrt Irschenberg genommen, war durch das schattige Leitzachtal gefahren und auf dem Parkplatz am Sudelfeld (1075m) gelandet. Wieder scheint die Sonne. Wie schon vor zwei Wochen geht es erstmal zur Lacher Alm hoch, wo eine Tafel steht: "Natürlich auf Tour". Natürlich laufe ich auf Asphalt weiter bis zur Weggabelung Lacherspitze/Wildalpjoch. Der Pfad zum Wildalpjoch läuft versetzt und etwas steiler als der durchs Lacherkar, den ich vor 12 Tagen hochgelaufen bin und der mir Appetit auf mehr in dieser wildromantischen Ecke über dem Sudelfeld gemacht hatte. Etwa auf halbem Weg kommt mir ein Quellbach entgegen, der unaufdringlich und leise plätschernd den Weg hinunter sucht, während es sich über mir zuzieht. Als ich oben den Kamm in felsigem Gelände zwischen Lacherspitze und Wildalpjoch erreiche, ziehen Wolkenfetzen über Felswände und Fichten. Bald ist die kurze Kletterstelle erreicht, und munter geht es auf einem Grat rauf und runter durch eine Latschengasse dahin.

Die Stimmen der drei quasselnden Damen, die eben an mir vorbeigezogen sind, sind verstummt, und der Grat zeigt sich von seiner mystischen Seite: Schwaden schweben verspielt und federleicht entlang der Felswände, verhüllen Latschen und geben sie wieder frei, und verschwinden so unscheinbar, wie sie gekommen sind.

Ich stehe unweit unterhalb des Gipfels des Wildalpjochs, kann aber nur ahnen, wo er sich befindet. Das sind ja schönen Aussichten! Ich stehe und warte. Wieviele Minuten genau, weiß ich nicht. Klatschnass klebt mein Shirt an mir, dennoch friert es mich nicht, da es nahezu windstill ist. Zum Zeitvertreib verputze ich in einen Haferflockenriegel, wenngleich es noch viel zu früh ist, um mir den Bauch voll zu hauen.

Der Nebel wird lichter und nimmt den Schleier von den Konturen, der Gipfel aber ist immer noch nicht zu sehen; mehr und mehr aber von dem felsigen Steig, der zu ihm hinauf führt. Dann taucht das Kreuz auf. Zu ihm hin bewegt sich aus dem Nebel heraus eine Person, hantiert an etwas herum (am Blechkasten mit dem Gipfelbuch) und steigt dann herunter. Der Wanderer beantwortet gerne meine Fragen, und die Antworten gefallen mir. Voller Neugierde kann ich mich aufmachen, meine geplante Strecke weiterzulaufen, die mich durch eine menschenleere bezaubernde Bergwelt führen wird, 16km weit mit zwei Anstiegen von je 600hm.

Erstmal aber steige ich zum Gipfel (1720m) hoch und trage mich auch in das Buch ein. Was soll ich denn sonst machen? Der Ausblick soll super sein, tief hinunter zum grünen Soinsee. Ich aber sehe nur Grau. Volltreffer! Eine Stunde hatten an diesem Tag die Wolken die Gipfel hier eingehüllt, und genau diese Stunde um 13 Uhr war ich hier oben.

Hier die Bilder der Fotowebcam mit den markanten Backenzähnen der Lacherspitze. Um 19 Uhr hätte ich hier laufen sollen, da war es schön.

Nachdem ich genug vom vielen Nix gesehen habe, steige ich über die Felsen ab und laufe weiter nach Osten. Erst einen Wiesenhang hinunter, dann geradeaus auf einer Traverse, die mich direkt zur Käserwand (1675m) führt, eine beliebte Kletterwand (Südseite) für Sportkletterer. Von Norden her ist sie relativ leicht zu erklimmen. Ich erspare mir das. Mehr als über die Südwand hinunter auf meinen weiteren Weg zu gucken, ist sicherlich nicht drinn. Der führt mich erstmal ein paar hundert Meter direkt an den steilen Wänden der Käserwand entlang, bevor es auf zwei Kilometern steil 600hm hinuntergeht auf das Höhenniveau, von dem aus ich gestartet bin. Mal ist der Pfad aufgeweicht und rutschig, dann wieder übersäht mit nassem Kalkstein, so richtig zum Laufen komme ich selten. Beim Hinuntersteigen rutsche ich zweimal kurz hintereinander nach hinten weg und kann mich gerade noch über ein "langes" linkes Bein auffangen. Mein Patella japst. Ich verpasse ihr einen Maulkorb und Ruhe kehrt ein.

Ab etwa der zweiten Hälfte laufe ich einsam auf schmalen Pfaden weiter über saftig grüne Wiesen und durch hüfthohes großblättriges Zeux, eine Art Berggemüse vielleicht? Unten angekommen erreiche ich einen Forstweg und finde es angenehm, mal wieder Gas geben zu können. Kein Mux mehr von meiner Patella. Das ist gut so, denn noch habe ich mehr als die Hälfte der heutigen Strecke vor mir. Ich erreiche eine Wandertafel: Brannenburg 2 1/2 Stunden und Mitteralm. Ich biege ab und lande endlich wieder auf einem Trail, allerdings in einer dunklen, feuchten Umgebung im tiefen Wald. Nass ist es und immer wieder matschig. Ich quere die Trasse der Zahnradbahn und laufe weiter im Schatten auf nassem Trail und Stufen hoch und runter. Wieder passiert mir ein Missgeschick: Auf einem nassen Holzbalken rutsche ich weg, kann mich aber auffangen, da ich meine linke Hand am Geländer hatte.

Auf der Terrasse der Mitteralm ist fast nichts los, nur ein paar ältere Herrschaften gucken in ihre Wanderkarten. Die Zahnradbahn macht hier einen Zwischenstopp, auch ein langezogener Forstweg, der vom Techno-Berg hinunter nach Brannenburg führt, kommt hier vorbei. Eher unscheinbar und heute wenig beachtet ist ein Pfad, der sich steil hinauf windet zum Soinsee und der Soinalm. Den nehme ich in Angriff und damit ca. 500hm hoch zur Lacherspitze. Na klar, jetzt ist auch die Sonne wieder da und begleitet mich das ganze Stück dort hinauf. Was aber nicht wirklich stört, zu schön ist die Landschaft hier. An der Soinsee-Alm bleibe ich kurz stehen und suche den See. Der aber hat sich so gut getarnt, dass ich ihn nicht sehen kann. Erst weiter oben entdecke ich ihn, spiegelglatt und knalle Grün. Dann blicke ich hoch zum Wildalpjoch, das von hier aus mit seinen felsigen Abbrüchen den Charakter eines knackigen Bergs hat. Ich laufe weiter den holprigen Pfad hoch, meine Blick auf eine weitere "Alm" gerichtet, dem Bundeswehrstützpunkt Soin Hütte. Hinter dem großen Gebäude ragen Kalkfelsen mit dem markanten "Roten Stiefel" samt Soinhöhle auf, einem Felsen mit Klettersteig zum Üben für Bundeswehrler, der aber für alle offen ist. Noch ein Stückerl geht es steil hoch, und ich erreiche den Sattel zwischen Lacherspitze und Kesselwand, wo ich vor zwei Wochen schon war. Der Himmel hat sich wieder zugezogen, bis auf eine kleine Lücke, die mir ein warmes Plätzchen auf der Sommerbergwiese schenkt, das ich gerne annehme. Ich setze mich zu den Blümchen, lege meinen Trinkrucksack ab, leere nahezu in einem Zug meine Hafermilch und schaue hinüber zur Lacherspitze. Schee is wieder a mal, und wenn i kannt, dat i die Rundn glei no amoi laufen. Wildalpjoch 1/1/2 Stunden, zeigt eine Tafel.

Ich überlege, ob ich wieder das Lacherkar runterlaufen soll, oder den Abzweiger bei der Wendelsteinalm Richtung Sudelfeld. Ich entscheide mich für Letzeres, die längere Variante mit mehr Trailanteil. Dazu geht es erstmal hinunter zur Kesselwand. Dort treffe ich auf einen lustigen Wanderer, der eigentlich auf den Wendelstein wollte, aber den Pfad bei der Zeller Scharte zum Panoramaweg nicht fand. Er holt seine Karte heraus, schüttelt den Kopf, meint, den eingezeichneten Weg gibt es nicht mehr, jedenfalls hatte er keinen gefunden. Ich sage, diesen hätte man letzte Woche abgerissen im Rahmen eines Rückbauprogramms, und ergänze, Späßchen. Nein, da ist ein Verbindungsweg*, bin ihn selbst erst vor Kurzem gelaufen und schlage ihm vor, wenn er noch Zeit hat, dann soll er doch nochmal das kurze Stück hoch, in 10 Minuten ist er dort. Nochmal hoch? Nein danke! Dazu sei angemerkt, dass er aus München kam und mal im Winter die Tour zur Lacherspitze gemacht hatte. Beide machen wir uns auf zur Wendelsteinalm, von wo es für mich über Wurzeln, Steine, Matschepampe runter geht, über Wiesen und durch Wäldchen, Schritt für Schritt, bis ich wieder natürlich auf Asphalt unterwegs bin und bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel am Auto lande.

*Zu Hause habe ich dann das im Internet gefunden:
"Zeller Scharte
Der in die Karte eingezeichnete Weg, der nach rechts in Richtung des Skiliftes direkt zur Kesselwand
hinaufführte, existiert nicht mehr - bitte keine Abschneider! Ein viel besserer Weg führt ein Stück
oberhalb der Alm an einem Wegweiser nach links und an die Felsen des Wendelsteines heran"

Bis zum nächsten Mal.
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