Winni Mühlbauer - Trailrunning am Zwiesel 10.4.17


10.4.17
Kniffliger Downhill
Winni + Christian

Blomberg und kniffliger Downhill, wie passt das zusammen? Angeregt zu dieser 17,4km langen Runde mit 1130hm wurden wir von dem empfehlenswerten Buch Trailrunning Guide Münchner Berge.

Hier die Etappen: Bad Heilbrunn - Enzenauer Kopf - Angerlkopf - Stallauer Kopf - Zwieselberg - Blomberg - Heiglkopf - Blomberg - Zwieselberg - Stallauer Kopf - Stallauer Eck - Bad Heilbrunn.

Christians Recherchen ergaben, dass noch haufenweise Schnee in den Bergen liegt und sogar neuer dazukam. Schattenseitig ab 1350m teilweise geschlossene Schneedecke, ab 1600m teilweise sogar noch sonnenseitig, zumindest größere Schneefelder. Nach unserer Tour im Altmühltal an fast schon einem Sommertag, hatten wir darauf keine Lust mehr. Was wir also brauchten, war ein niedriger Bergrücken für eine mittellange Runde, ein Inbetweener. Einen, den Christian mit dem Rad erreichen kann, weil er mit 17 Laufkilometer nicht ausgelastet ist. Nein, er brauchte, wie er es nannte, ein paar fußschonende Extra-Trainigseinheiten für die Zeugenbergrunde nach Ostern; 90km sind es geworden, immer schön gegen den Wind für ein paar Watt obendrauf.

Getroffen haben wir uns gegen Mittag in Bad Heilbrunn an der Pizzeria Da Luca, und uns gleich aufgemacht in den kühlen Wald hinein. Ein leicht ansteigender Pfad bringt uns zu einer Forststraße, die wir überqueren. Weiter geht es im Wald auf wurzeligem Trail hinauf und hinein in die Stille, nur die Kronen der hochaufragenden Fichten rauschen im Südwind. Wir erreichen eine Abzweigung, an der wir rechts weiterlaufen und nach 2,5km die erste Lichtung erreichen, den Enzenauer Kopf (1207m). Schon verschluckt uns der menschenleere Wald wieder, kurz geht es hinunter und dann gleich wieder hoch, zur nächsten Lichtung, dem Angerlkopf (1262m). Diese Lichtung, wie auch die anderen, sind nach Regen sicherlich sehr batzig, und im Sommer könnte es zusammen mit Kühen eng werden. Allerdings führt im Wald ein Pfad an diesen Weidefllächen vorbei, getrennt von einem Stacheldraht.

Am Angerlkopf schwenkt der bisher von Nord nach Süd führende Pfad nach Osten direkt auf den Zwieselberg zu. Kurz davor kommt noch ein Kopf, der Stallauer Kopf. Wer sich die Forstwege um den Zwiesel und Blomberg herum sparen will, der könnte jetzt nach links abbiegen und den anspruchsvollen Downhill nach Bad Heilbrunn unter die Füße nehmen. Die Runde wäre dann allerdings nur ca. 9km lang und ohne nennenswerte Aussicht. Zudem fehlten ordentlich Höhenmeter, die wir uns gerne in diesem profilierten Gelände erlaufen. Auf einem Wiesenrücken geht es hoch zum Zwiesel (1348m), den wir nach 5,5km erreichen. Wir machen kurz Rast, genießen die Aussicht aufs Karwendel und das Wettersteingebirge. Der Himmel über uns überwiegend blau. Drüben in den Tegernseer Bergen hängen die Wolken tief und dunkelgrau. Der Wind hat von Süd auf Nord gedreht und drückt die Wolken an den vorgelagerten Alpenkamm. Vom nahenden Gewitter zum Glück noch keine Spur.

Schnell auf Wiesen hinunterzulaufen gefällt mir, und so passieren wir rasch die Specker- und dann die Schnaiteralm, doch leider ist dieses Vergnügen kurz und wir landen auf dem Forstweg, der uns hinüber bringt zum Blomberghaus. Gut besucht ist es heute an einem Ferientag, aber nicht überlaufen. Christian füllt seine Flasche und wir laufen weiter auf dem Forstweg mit seinen Bespaßungsstationen, dem vom Kunstverein Tölzer Land e.V. im Jahr 2008 eröffneten "Kunstwanderweg" unter dem Motto "Sinneswandel". Wir sind also unterwegs auf Deutschlands höchstem Kunstwanderweg mit seinen 17 Landart-Objekten und Skulpturen namhafter Künstler aus ganz Oberbayern.

Wir haben unsere Meinung allerdings nicht geändert und es nicht bereut, hier unterwegs zu sein, zumal dieser Abschnitt nur 1,2km lang ist. Mehr schon haben wir uns gewundert, dass wir nach der Bergstation den Forstweg hinunter zur Wackersberg Alm und zum Blombergkreuz für uns alleine haben. Kein Wanderer, kein Gleitschirmflieger. Niemand. Erst am Heiglkopf, einen Katzensprung vom Blomberg entfernt, treffen wir wieder auf Menschen. Kurz überlegen wir, ob wir noch hinunter nach Wackersberg und wieder hoch laufen sollen, verwerfen aber aus Zeitgründen diese Idee. Zudem naht ein Gewitter aus Norden, und Christian möchte gerne noch ganz nach Hause radeln (Am Abend schreibt er mir dann: Bin gestern um das Unwetter drumherum gekommen, nur der immer stärker werdende Gegenwind war ziemlich nervig und hätte mir beinahe den Zahn gezogen.)

Wir laufen über die bekannten Stationen zurück, nochmal hoch zum Zwiesel und dann hinüber zum Stallauer Kopf (1322m), und endlich haben wir wieder einen Trail unter den Füßen. Die ersten 100 Höhenmeter hinunter zum Stallauer Eck sind gut zu laufen und technisch nicht schwer. Das aber ändert sich auf den letzten drei Kilometern, wo es 500 Höhenmeter steil über Wurzeltrails hinunter geht. Der Abstand zwischen mir und Christian wird immer größer. Er fegt geradezu im Flow über die riesigen Wurzeln, dass ich mit Hinterhersehen kaum noch nachkomme. Unten angekommen meint er dann, das war ganz schön knifflig. Ja, das war es, an manchen Stellen war ich langsamer unterwegs war als die Kontinentalverschiebung.

Kaum am Auto angekommen ist Christian schon wieder weg. Und kommt nach wenigen Minuten freudestrahlend mit kaltem Bier von der Tanke zurück. So gefällt uns das und stimmt uns glücklich und zufrieden. Das Prosten mit den Flaschen ist dann auch stets ein feiner Aus-Klang für eine gelungende Runde.

In the meantime: Cody Canada and The Departed "Inbetweener"


Enzenauer Eck - Angerlkopf - Stallauer Kopf

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Downhill vom Stallauer Kopf

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Rund um den Zwieselberg

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Am Heiglkopf


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